Lindauer Fasnacht

Schon seit Jahrzehnten folgt die Narrenzunft Lindau in der Fasnacht einem festen Programm mit abwechslungsreichen und interessanten Bräuchen, Vorführungen und Veranstaltungen. Um Ihnen einen Überblick über unsere Veranstaltungen in Lindau zu geben, haben wir alle unserer feststehenden Termine aufgelistet und mit weiterführenden Links unterlegt. So erhalten Sie einen guten Überblick über die Lindauer Fasnacht:

Am ersten Samstag im Jahr:
Neujahrsblasen durch den Fanfarenzug.

Am Freitag nach Dreikönig:

Häsabstauben

Häsabstauben

Am 1. Freitag nach Dreikönig findet das öffentliche Häsabstauben statt.
Der Büttel und der Narrenvater verkünden am alten Rathaus die Fasnacht und rufen die Masken, zu erscheinen.



An wechselnden Samstagen zwischen Häsabstauben und dem Fasnachtswochenende:

Fasnachtsball und Kinderball

Fasnachtsball
..
Veranstalter Narrenzunft Lindau /B. e.V. Samstag, .. um 20:00 Uhr

Kinderball
Samstag, von 14.00 bis 17.00 Uhr in der Inselhalle Lindau



Am Gumpigen Donnerstag:

Gumpiger Donnerstag



Der Gumpige, der Donnerstag vor dem Fasnachtssonntag, ist der eigentliche Fasnachtsbeginn und der Tag der Machtübernahme. Er beginnt bereits in aller Frühe mit dem Narrenwecken.

Narrenwecken
Schon in der Nacht vom Mittwoch auf den Gumpigen Donnerstag haben die Gruppen die Stadt mit Binsen, Wäscheleinen und Fahnen geschmückt. Um 6 Uhr zieht dann die ganze Zunft durch die Altstadt, um die Bürger zu wecken. Alle Instrumente sind zugelassen, sofern sie nur Krach machen. Spezialfässer werden über das Pflaster gerollt, Hörner und Fanfaren geblasen und der Narrenruf Hoppla Ho erschallt durch die engen Gassen, bis sich die Fenster öffnen und lächelnde Gesichter zu erkennen geben, dass sie auf uns gewartet haben.

Ultimatumsübergabe
Pünktlich um 11.11 Uhr wird mit dem Stadtoberhaupt, wo immer es sich auch befinden mag, ein Ultimatum übergeben mit der Aufforderung, die Stadt unverzüglich dem Narrenregiment zu unterstellen.
Der Zunftmeister zieht in Begleitung zahlreicher Zunftmitglieder unangemeldet in das Amtszimmer des Stadtoberhauptes oder sofern es gerade in einer Sitzung ist, in den Sitzungssaal, ohne Rücksicht darauf, wer an dieser teilnimmt oder was beraten wird. Das Ultimatum wird, damit es auch verständlich ist, schriftlich überreicht.
Da die Stadtschlüssel noch nie freiwillig ausgehändigt worden sind, zieht man mit der Drohung, am Spätnachmittag wiederzukommen, um die Henkersmahlzeit zu verabreichen, wieder ab.

Henkersmahlzeit
Um 16.00 Uhr versammeln sich die Zunfträte und ausgewählte Gruppenmitglieder im Sitzungssaal der Stadtverwaltung, um dort die Oberbürgermeisterin und die Bürgermeister der Stadtverwaltung zu empfangen. Dabei werden recht lose Reden ausgetauscht, die Ungereimtheiten des vergangen Jahres glossiert und nach echter Narrenart angeprangert, um zu beweisen, dass die Narren das Stadtgeschehen verfolgt haben.
Die Stadtregentin, wie unsere Oberbürgermeisterin grundsätzlich bezeichnet wird, werden symbolische Geschenke der Gruppen und der Zunft überreicht, um sie zur Üebergabe der Stadt geneigter zu stimmen, aber auch um ihr für ihre Unterstützung zu danken.
Da viel Reden und Lachen bekanntlich hungrig und durstig macht, werden Getränke und ein Imbiss gereicht, die Henkersmahlzeit.

Narrenbaumsetzen
Gegen 17.45 Uhr versammelt sich die ganze Zunft, zusammen mit der Narrenkapelle, um den Narrenbaum zu setzen.
Der Narrenbaum wird vor das Alte Rathaus gefahren, die Zunft läuft hinter ihm her. In der Zwischenzeit begeben sich Oberbürgermeister und Stadträte auf die Freitreppe des Alten Rathauses, um dort den Ansturm der Narren abzuwarten. Nachdem die Zunft vor dem Alten Rathaus eingetroffen ist, wird die Oberbürgermeisterin letztmalig aufgefordert, die Herrschaft an die Narren abzugeben. Nachdem sie dies, unter lebhafter Rede und Gegenrede, wieder abgelehnt hat, wir der Befehl gegeben, das Symbol der Narretei und Narrenfreiheit, den Narrenbaum, zu setzen. Sobald der Narrenbaum steht, wobei erstmals der Narrenmarsch gespielt wird, ergeht der Sturm auf das Rathaus.

Sturm auf das Rathaus
Üeber Leitern und die Freitreppe stürmen die Zunftmitglieder, die Stadtburg und führen die sich verzweifelt wehrende Besatzung gefangen vor den Zunftmeister. Dieser lässt Gnade vor Recht walten, erklärt die Stadtverwaltung für abgesetzt und proklamiert in elf Artikeln die Narrengebote. Für Verstöße werden fürchterliche Strafen angedroht u.a. auch Stadtverweis auf Lebenszeit.
05:50 Uhr: Narrenwecken und Hemdglonkerumzug
09:45 Uhr: Schülerbefreiung in wechselnden Schulen (nicht öffentlich)
11:11 Uhr: Ultimatumsübergabe an die Oberbürgermeisterin in der Stadtverwaltung (nicht öffentlich)
15:30 Uhr: Henkersmahlzeit für die Stadtoberen in der Stadtverwaltung (nicht öffentlich)
17:00 Uhr: Narrenbaumzug zum alten Rathaus
17:30 Uhr: Narrenbaum setzen und Moschtkopftanz am alten Rathaus
18 Uhr: Sturm auf das Rathaus

Am Rußigen Freitag:

Rußiger Freitag

Der Rußige Freitag ist geprägt durch den Köfflerjuck der Kornköffler und den Buzentanz der Pflasterbuzen.

Die Narrengruppe der Lindauer Pflasterbuzen hat es sich zur Aufgabe gemacht, in Lindau einen im 17. Jahrhundert urkundlich erwähnten Hahnentanz als echtes, heimisches Fasnachtsbrauchtum wieder zum Leben zu erwecken. Entgegen den üblichen Gepflogenheiten wurde dieser Hahnentanz zur Fasnachtszeit abgehalten. Hahnentänze gehören zur Gattung der "Erntebräuche-Tänze.

Der Ablauf des Buzentanz: Vor dem Alten Rathaus wird der Galgen aufgebaut. Um den Galgen befinden sich zwei Feuerstellen, in denen beim Nahen der Pflasterbuzen rotes Bengalfeuer entzündet wird. Unter Trommelklängen ziehen die Pflasterbuzen, die "Dämonen des Winters", heran. In einem Weidenkorb bringen sie einen lebendigen Hahn, das Symbol der Fruchtbarkeit, mit. (Anmerkung: seit einigen Jahren wird ausschließlich ein ausgestopfter Hahn verwendet!) Der Weidenkorb wird unter dumpfen Rufen "Hängt den Hahn" am Galgen aufgehängt. Die "Dämonen des Winters" wollen das "Symbol der Fruchtbarkeit", d.h. den nahenden Frühling, töten und damit die Herrschaft des Winters und des Bösen über das Gute erhalten. Drohend wird das Richtbeil gegen den Hahn geschwungen. Die Pflasterbuzen tanzen um den Galgen, sie freuen sich auf das Ende des Hahns.

Da springt aus dem Dunkel der Nacht der Buzenteufel. Er wirbelt um den Galgen und um das Bengalfeuer, das den Rathausplatz in gespenstisches Licht hüllt. Er nähert sich dem Galgen um den Hahn in die Hölle zu holen. Die Pflasterbuzen verharren überraschend, denn der Hahn soll ja ihr Opfer sein.

Ein Pflasterbuz versucht den Buzenteufel durch Bedrohung mit dem Richtbeil zu vertreiben. Beim Kampf um das Richtbeil scheinst es so, als ob der Buzenteufel siegen würde, darum springen mehrere Pflasterbuzen hinzu und helfen dem Richtbeilträger. Dieser Üebermacht muss der Buzenteufel weichen. Mit einem Schrei verschwindet er wieder in der Dunkelheit.

Der Kampf zwischen Buzenteufel und Pflasterbuzen, aber auch ihr Tanz wird durch Trommelklänge begleitet. Dieser Trommelschlag verstummt plötzlich nach einem schnellen Rhythmus: die Buzen verharren schlagartig und lauschen. Sie erkennen, dass auch sie nicht stark genug sind, und den ewigen Ablauf des Lebens aufzuhalten oder zu unterbrechen.

So nehmen Sie den Hahn und versteigern ihn symbolisch auf "amerikanisch" Art unter den Zuschauern, um den Versteigerungserlös einem guten Zweck zuzuführen.
Die "wilden Dämonen" sind also nichts als Narren.

In dieser Form wurde der Buzentanz erstmals 1970 am "Rußigen Freitag" aufgeführt. Seitdem findet er jedes Jahr am gleichen Tag, nach Einbruch der Dunkelheit statt.
18: 30 Uhr Köfflerjuck und Buzentanz am alten Rathaus

Am Fasnachtssonntag:

Fasnachtssonntag

Der Fasnachtssonntag ist der eigentliche Höhepunkt der Lindauer Fasnacht. Er beginnt mit dem hochfeierlichen und närrischen Zunftmeisterempfang.

Zunftmeisterempfang
Im historischen Saal des Alten Rathauses, werden Vertreter jener Zünfte eingeladen, die nachmittags gemeinsam mit unserer Zunft durch die Straßen der Lindauer Insel ziehen. Aber auch alles, was Rang und Namen in unserer Stadt hat, wird dazu eingeladen und erscheint. In munterer Rede und Gegenrede werden wiederum Lindauer und sonstige Ungereimtheiten aufs Korn genommen und bewitzelt, die Gastzünfte begrüßt sowie Gastgeschenke und Orden ausgetauscht.

Narrensprung
Um 14.01 Uhr beginnt der große Narrensprung durch die Lindauer Insel
Zunftmeisterempfang (nicht öffentlich)
14:01 Uhr Narrensprung durch die Gassen der Insel

Am Fasnachtsdienstag:


09:30 Uhr Ämterübernahme Stadtverwaltung in der Stadtverwaltung (nicht öffentlich)
10:30 Uhr Ämterübernahme in der Landvogtei im Landratsamt (nicht öffentlich)
14:45 Uhr Kinderumzug durch die Insel
15:30 Uhr Moschtkopftanz und Narrenbaumlegen am alten Rathaus
19:30 Uhr Kehraus





Wann ist Fasnacht?

Fasnacht ist jedes Jahr an einem anderen Termin, mal ist die Saison kurz, mal lang. Diese Schwankungen sind zwar so närrisch, dass es schon wieder zu uns passt, haben aber einen ganz anderen Grund:

Der Termin der Fasnacht, hängt vom Termin des Aschermittwochs und damit direkt vom Termin des Ostersonntags ab. Im Konzil von Nizäa 325 n. Chr. wurde festgelegt, dass der Ostersonntag auf den ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmond fällt. Um 600 n. Chr. führte Papst Gregor I eine 40tägige Fastenzeit vor Ostern ein, die am Dienstag nach dem 6. Sonntag vor Ostern beginnen sollte. Als 1091 n. Chr. im Konzil von Benevant die Sonntage in der Fastenzeit vom Fasten ausgenommen wurden, verschob sich der Beginn der Fastenzeit um 6 Tage nach vorne auf den heutigen Aschermittwoch. Daraus ergeben sich 46 Tage Fastenzeit, die den heutigen Aschermittwoch und damit das Ende der Fasnacht definieren.

Die Termine für Ostern werden wiederum durch den Mondkalender festgelegt, auch Berechnungen des Datums nach der so genannten Osterformel von C. F. Gauß stimmen nicht immer 100prozentig mit dem Mondkalender überein. Die Extrem-Termine für Ostersonntag sind laut dem Mondkalender, der 22. März als frühester Termin und der 25. April als spätester Termin.

Damit lässt sich nun beispielhaft ein Fasnachtswochenende berechnen:

Frühes Extrem:
22. März ist der 81. Tag des Jahres (31 Tage Januar, 28 Tage Februar, 22 Tage März). Nimmt man die 81 und subtrahiert davon die 46 Fastentage, erfahren wir, dass der Aschermittwoch der 35 Tag des Jahres ist. Demnach ist der Gumpige Donnerstag der 29. Tag des Jahres (29. Januar) und der Fasnachtsdienstag der 34 Tag des Jahres (3. Februar).

Spätes Extrem:
Der gleiche Rechenweg: 25. April = 115 Tag des Jahres. 115 âEUR“ 46 = 69. Gumbiger Donnerstag = 63 Tag des Jahres (4. März), Fasnachtsdienstag = 68 Tag des Jahres (9. März).

Schaltjahr: In einem Schaltjahr verlängert sich der Februar um 1 Tag. Dadurch verschieben sich Ostern und alle davon abhängenden Termine um einen Tag nach hinten.

Zusammenfassung:
Frühe Fasnacht: 29. Januar – 3. Februar (im Schaltjahr: 30. Januar – 4. Februar).
Späte Fasnacht: 4. März – 9. März ( im Schaltjahr: 5. März – 10. März)

Soweit zur Theorie. Damit die Frage „Wann ist Fasnacht“ aber nicht nur theoretisch sondern auch ganz praktisch beantwortet wird, hier die Fasnachtstermine der nächsten Jahre zum downloaden und an die Wand pinnen: Fasnachtstermine bis 2050

Wer jetzt noch tiefer in die Materie einsteigen möchte und ergründen will, warum die Termine für Ostern in Frankreich und Ägypten schon bis zu 35 Tage auseinander lagen, dem seien folgende Links ans Herz gelegt:

Wikipedia: Unter den Stichwörtern Ostern und Fasnacht gibt es weitere Informationen.
Das Kalenderlexikon: Ein detaillierter Artikel zum Ostertermin.