Pflasterbuzen

Die Entstehung

Bis 1969 wurde in Lindau keinerlei Fasnachtsforschung betrieben. Erst als der damalige Vizezunftmeister der Narrenzunft, Horst Bäckert, immer wieder darauf hinwies, dass es auch in Lindau historisch belegtes Fasnachtsbrauchtum geben müsse, betrieben die Lindauer Michael Feuerle und Gisbert Grübel, mit Hilfe des Leiters des städtischen Archivs, Werner Dobras, ein kurzes, aber ergiebiges Studium der Lindauer Fasnachtsquellen. So wurden folgende historische Unterlagen: Ratsprotokolle, Verbote an die Zünfte, kurze Hinweise auf damals verwendete typische Fasnachtsrequisiten, Fasnachtsbrauchtum usw. Damit war der Weg frei für die Gründung einer neuen, fundierten Narrengruppe.

Nach der Fasnacht 1969 wandte sich Michael Feuerle an Horst und Margot Bäckert mit der Bitte, ihm beim Aufbau einer neuen Maskengruppe behilflich zu sein. Seine Bitte fiel auf fruchtbaren Boden. In tage- und nächtelangen Gesprächen entwarfen sie gemeinsam das Aussehen der Maske und Häses. Von Michael Feuerle stammt das dämonenhafte der Maske, Margot Bäckert steuerte die Farbenzusammenstellung des Häses und Horst Bäckert den ersten Entwurf sowie den Namen bei. Bei der Verwirklichung des Häses hat Else Joachim das Material bestimmt.
So entstand Dank einer guten Zusammenarbeit eine schöne, dämonische Fasnachtsfigur, die erstmals am 11.11.1969 öffentlich auftreten konnte.

Die Symbolik

Die Pflasterbuzen stellen die erste Lindauer, auf historischem Brauchtum beruhende Narrengruppe dar. 1617 wurden sie erstmals in einem Ratsprotokoll erwähnt. Auch auf ihr Zubehör – die Schellen, die schwarzen Masken und die Trommeln – mit denen sie durch die Gassen zogen, wurde hingewiesen.

Die Pflasterbuzen symbolisieren wilde Dämonen, die in dunklen Nächten in den Gassen Lindaus ihr Unwesen treiben.

Sie schlurfen über die Pflaster, ihre Schellen dröhnen durch die engen Gassen und schrecken die Menschen. Von ihnen soll etwas Unheimliches ausgehen, was durch das Schlagen von dumpfen Trommeln noch unterstrichen wird.

Die Pflasterbuzen haben es sich zur Aufgabe gemacht, altes überliefertes Fasnachtsbrauchtum – den Buzentanz am Rußigen Freitag – wieder aufleben zu lassen.

Die Maske

Die Pflasterbuzen tragen eine schwarze Halbmaske aus Holz. Tiefe Furchen durchziehen das Gesicht, vor allem an der Stirn und der Mundpartie. Die Augenbrauen sind stark betont, gefurcht und laufen in eine markige, große Harkennase über. Die Augen sind hervorgehoben, an der Vorderseite leicht bläulich, während die Seiten weiß sind. Sie wirken wie Stielaugen. Der Mund ist geöffnet, umrahmt von blutroten Lippen. Aus dem Mund ragen zwei mächtige Zähne hervor.

Die Maske wird abgeschlossen von einem schwarzen, zottigen Tierfell, dass weit über den Rücken des Maskenträgers reicht.

Das ursprüngliche Aussehen der Maske wurde beim Beitritt der Narrenzunft Lindau in die VSAN (Vereinigung Schwäbisch Alemannischer Narrenzünfte) verändert und sämtliche Masken mussten umgeschnitzt werden. Eine Urmaske ist jedoch im Besitz der Pflasterbuzen geblieben.

Der Buzenteufel

Die Pflasterbuzen haben eine Sondermaske, den nur einmal existierenden „Buzenteufel“. Er darf grundsätzlich nur beim Buzentanz am Rußigen Freitag, oder mit Zunft-Sondergenehmigung bei anderen Anlässen, in Erscheinung treten. Bei Umzügen tritt der Buzenteufel jedoch niemals auf.

Das Gewand des Buzenteufel ist das Gleiche wie das der Pflasterbuzen. Lediglich die Maske unterscheidet ihn von den übrigen Gruppenmitgliedern.

Die Maske ist dämonisch-fratzenhaft, gleicht einem Teufel mit dem für ihn typischen Aussehen. Üeber der tief gefurchten Stirn wachsen zwei Hörner empor. Die Schlitzaugen sind weiß umrandet, die wuchtigen Augenbrauen laufen in eine markante Nase aus. Der schiefe Mund ist fratzenhaft verzogen und leicht geöffnet; zwei Zähne, davon der eine abgebrochen, wachsen aus dem Oberkiefer über die Unterlippe hinaus. Tiefe Falten sind in die Wangen eingegraben, das Kinn ist von einem Ziegenbart bedeckt. Die Nase und die Wangen sind stark gerötet, ansonsten ist die Maske wiederum im Grundton schwarz gehalten. Die Maske wird ebenfalls von einem schwarzen Tierfell abgeschlossen.

Das Häs

Die Pflasterbuzen tragen einen schwarzen Kordsamtkittel, der bis kurz über das Knie des Trägers reicht. Der Kittel ist mit etwa 15 cm langen, roten Fransen dicht benäht, die sich mit den Maskenträgern bewegen.

Zu diesem Kittel tragen sie lange, gerade Hosen aus dem gleichen Material, ebenfalls mit roten Fransen benäht. An den Außenseiten der Hosenbeine befinden sich jeweils vier schwarze Schellen, die bei jeder Beinbewegung ertönen.

Die närrischen Utensilien

Die Pflasterbuzen tragen als Erkennungssymbol um den Hals an einer Kette einen, nach einem Original nachgeschnitzten Pflasterstein, der an der Unterseite das Eintrittsjahr in die Narrengruppe aufweist. Der Originalstein wurde der mittelalterlichen Straßenbepflasterung der Stadt Lindau entnommen und stammt vom ehemaligen Richtplatz vor dem Haus zum Cavazzen.

Die Gruppenmitglieder, die bei der Ausgrabung des Buzentanzes mitwirkten, tragen an einer Kette um den Hals einen massiven, bronzenen Hahnenkopf.

Bei Umzügen trägt ein Gruppenmitglied das große, blutige Henker- und Richtbeil, mit dem Zuschauern gedroht wird. Das Henkerbeil ist ein Requisit des Buzentanz.

Einige Mitglieder schlugen früher bei Umzügen große, dumpf klingende, rotgeflammte Trommeln. Heute werden diese jedoch nur noch beim Buzentanz verwendet.

Alle Pflasterbuzen haben eine schwarze Umhängetasche aus schwarzem Kord, die ebenfalls mit roten Fransen benäht ist.

Als Schuhwerk werden ausschließlich schwarze Stiefel getragen. Ebenso ist das Tragen von schwarzen Handschuhen sowie eines schwarzen Rollkragen Pflicht.