Kornköffler

Die Entstehung

Narrensamen der Kornköffler

Die Fasnachtsfigur des „Kornköfflers“ entstand im Jahre 1969. Der Schöpfer dieses Narrentyps, der junge Verwaltungsinspektor Gisbert Grübel, betrieb von sich aus ein intensives Studium der Fasnacht, ihrer Bräuche und ihrer Quellen. Dabei fand er das Ratsprotokoll von 1554 und die ganzen Unterlagen über den Lindauer Kornhandel.

Angeregt durch einen Artikel des Lindauers Alfred Starke in der Lindauer Zeitung vom 20. Januar 1967 über Fasnachtserinnerungen, in denen er von den sogenannten „Roggenstehlern“ in nicht mehr ganz blütenweißen Kostümen erzählte, die Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts ihr närrisches Unwesen trieben, und das Vergleichen der Gewänder dieser Weißnarren, lag für ihn der Schluss nahe, aus dieser ehemaligen Kornhändlerzunft eine neue Narrengestalt für Lindau zu schaffen.

– Die Lindauer Kornköffler –

Sein Vater, Kaspar Grübel, half ihm bei den Entwürfen zum Gewand. Auf einem weißen Stoff sollten alle Symbole, die etwas mit Korn zu tun haben, enthalten sein. Als der Entwurf stand, stickte seine Mutter Helene, das erste Häs.

Nun mussten nur noch das Zubehör, der Maskenabschluss, das Geschell zusammengestellt werden, was Gisbert Grübel ebenfalls allein vollbrachte. Dank der fundierten Kenntnisse und des intensiven Studiums heimischen Brauchtums schuf ein begeisterter junger Mensch eine schöne, ansprechende Fasnachtsfigur, die ihren ersten öffentliche Auftritt am 11.11.1970, an jener Stelle, wo sich früher die Kornhäuser der Stadt befanden, am Schrannenplatz, hatte.

Die Symbolik

Die „Lindauer Kornköffler“ sind unsere zweite, auf historischem Brauchtum beruhende Narrengruppe. Lindau hatte früher einen sehr regen Kornhandel. Die „Kornköffler“ stellen die Wiedergeburt der Zunft der Kornhändler dar, die bereits anfangs des 14. Jahrhunderts urkundlich erwähnt wird. Diese Kornhändlerzunft hatte 1428 vom Rat der Stadt das Privileg erhalten, ohne Mitwirkung der Bäckerzunft Brot zu backen und auch zu verkaufen.

Der „Köfflerwecken“, ein zu Bier und Wein gut schmeckendes, fladenartiges Gebäck, wird heute zur Fasnachtszeit für die Kornköffler allerdings nicht mehr gebacken.

Die Maske

Die „Kornköffler“ tragen eine Halbmaske aus Holz, die lieblich ist, auch wenn die Gesichtszüge verschmitzt sind. Sie ist zwar rustikal geschnitzt, doch kann man sie im ganzen als durchaus glatt bezeichnen, besonders an der Stirnpartie.

Die Augenbrauen sind ährenförmig. Die Ähren sind vergoldet und ihre Stiele laufen über dem Nasenrücken aus. Die Nase ist groß und markant. Der rote Mund ist leicht geöffnet; er lächelt. Das verschmitzte Lächeln wird durch zwei tiefe Falten an den Wangen und durch Grübchen stark betont. Die Wangen sind markant hervorgehoben; sie weisen die Form von Apfelbäckchen auf und sind leicht gerötet. Ein kleines Kinn schließt die Maske nach unten ab. Als oberer Maskenabschluß dient ein Hanfzopf, in den blaue Kornblumen und rote Mohnblumen gesteckt sind. Der Hanfzopf deckt das weiße Kopftuch aus Baumwollköper, in das goldene Ähren, blaue Kornblumen, grüne Mohnkapseln, rote Mohnblumen mit den jeweiligen Blättern sowie Lindenblätter gestickt sind. Das Kopftuch ist mit einer gelben Borte eingefasst.

Die Masken schnitzte der Bad Wurzacher Bildhauer Klaus Demeter und von 1971 âEUR“ 2007 der Ravensburger Holzschnitzer Reinhold Schäle.

Das Häs

Die Kornköffler tragen einen gesäßdeckenden, geraden Kittel aus weißem Baumwollköper, der mit denselben Motiven bestickt ist wie das Kopftuch. Die Vorderkante des Kittels, die Seitennähte, der Arm- und Kittelabschluss sind ebenfalls mit der im Kopftuch verwendeten gelben Borte abgesetzt. Zu diesen Kitteln tragen sie lange, gerade, ebenfalls mit den gleichen Motiven bestickte Hosen aus demselben Material wie die Kittel, deren Seitennähte und Beinabschlüsse wiederum mit der gelben Borte abgeschlossen werden.

Die Stickmotive sind auf allen Gewändern gleich. Jeder Hästräger muss sein Gewand selbst sticken. Es sind dazu etwa 300 bis 350 Stickstunden aufzuwenden.

Die närrischen Utensilien

Dazu gehören zwei weiße Schellengurte, die über der Brust und dem Rücken gekreuzt sind. Die Schließen der Gurte befinden sich etwa in Achselhöhe des Trägers. Auf jedem dieser ledernen Gurte sind acht bis neun kupferne, verschieden große Schellen so angeordnet, dass jeweils an den Hüften die größte Schelle ist.

An der Vorderseite des Kittels wird das rote, mit einem weißen Rand versehene, an einer Ecke weiß geblümte Schweiß- oder Narrentuch befestigt. Es wird den Gruppenmitgliedern im Laufe der Jahre in verschiedenen Farben, je nach Länge der Gruppenzugehörigkeit, verliehen. Man trägt dann alle Narrentücher gleichzeitig.

Ein weiteres Zubehör sind die Umhängetaschen, die aus dem gleichen Material wie das Häs hergestellt werden. Auch sie sind handgestickt, wobei als Stickmotiv hier nur Ähren, das Wappen der Narrenzunft Lindau, die Narrenlinde sowie das Monogramm des Hästrägers verwendet werden. Diese Tasche dient bei Umzügen zur Aufnahme von Schrot und Korn, das unter die Zuschauer geworfen wird.

Ein Teil der Gruppenmitglieder trägt außerdem einen weißen, zierlichen Spitzenschirm. Bei gemeinsamen Auftritten, vor allem bei Umzügen, hüpft die Gruppe in einem speziellen Narrenschritt, durch den die Schellen besonders wirksam zur Geltung kommen.

Seit der Fasnacht 1970 wird bei den Umzügen als Gruppensymbol eine handgeschnitzte Tafel mit der Inschrift „Lindauer Kornköffler“ und einer geschnitzten Maske darauf vorausgetragen. Dieses Requisit wurde wiederum auch von Gisbert Grübel erdacht.