Binsengeister

Die Entstehung

Die Lindauer Binsengeister wurden 1963 geboren. Der Lindauer Textilkaufmann Hermann J. Müller und der aus Üeberlingen stammenden Bildhauer Willi Veit schufen bewusst eine auf bodenständigem Brauchtum beruhende (an das Üeberlinger Hansele angelehnte)
Fasnachtsfigur, die ein Gegengewicht zu den weniger beweglichen Moschtköpfen darstellen sollten. Die Beweglichkeit wird unterstrichen durch die Stoffmaske, die sich auch bei den zahlreichen Hänselefiguren in anderen Städten wiederfindet. Man verzichtete bei diesem Geist also bewusst auf eine Holzmaske.

Die ersten Häs wurden nach gemeinsamen Entwürfen Hermann J. Müllers und Willi Veits von den Frauen Veit, Michel, der Schwiegermutter von H. J. Müller und der jungen Frau Müller, Ursula gefertigt

Der erste öffentliche Auftritt erfolgte dann in der Fasnacht 1964.

Die Symbolik

Die Lindauer Binsengeister stellen eine enge Beziehung zum Bodensee her. Die Lindauer Insel ist (und war v. a. früher) von einem hauptsächlich aus Binsen bestehenden Schilfgürtels umgeben. Man sagt sich nach, das in diesem Schilfgürtel Geister umgehen, die v. a. in den Herbst- und Wintermonaten wenn es dunkel und neblig ist, ihr Unwesen treiben.
Allerdings handelt es sich hierbei um freundliche Geister, die alljährlich in der Fasnachtszeit aus dem See und den Binsen auftauchen um Ihre Mitmenschen zu necken.

Heute gibt es diesen unter Naturschutz stehenden Schilfgürtel nur noch an wenigen Stellen zwischen um die Insel Lindau.

Die Maske

Die Maske der Binsengeister besteht aus grünem Kordsamt, mit ausgeschnittenen Augen, Mund und Nasenlöschern. Die Augen sind mit goldenen Brokatborten brillenförmig eingefasst. Zwischen den Augenlöchern ist ein etwa 30 Zentimeter langer Rüssel angenäht, dessen Ende in einer stilisierten Libelle ausläuft. Die Libelle ist einige Male mit Goldfäden abgeteilt und auf der Oberseite mit bunten Perlen bestickt.

Quer über die Stirn läuft ein cremfarbiges Fransenband. Die Haube ist an den Nähten ebenfalls mit einem Fransenband eingefasst.

Sie fällt über die Schulter bis in die Brusthöhe. Auf dem Kopf befindet sich in der Mitte der Haube ein aufrecht stehendes Büschel goldgelber Binsen.

Das Häs

Die Binsengeister tragen eine gerade geschnittenen, grünen Kordsamtkittel, der aus dem gleiche Material wie die Haube besteht. Die Vorderseite des Kittels wird durch zwei parallel laufende, senkrechte Bortenstreifen unterbrochen, an deren Ende je eine in Filtzblätter gehüllte Kupferschelle befestigt ist. Die gleichen Schellen befinden sich an beiden Seitennähten. Die Kittel enden zwischen Gesäß und Knie und werden von einer bunten Borte und cremefarbenen Fransen abgeschlossen. Das gleiche gilt für den Ärmelabschluss.

Zu diesen Kitteln tragen sie lange, gerade Hosen aus dem gleichen Stoffmaterial, deren Beine ebenfalls mit Borten und Fransen enden.

Die närrischen Utensilien

In den Händen halten die Binsengeister einen in Leder gefassten Binsenwedel, mit dem mißlaunige Mitbürger aufgeheitert oder abgestaubt werden. Nach einer Bewährungsfrist bekommen die Binsengeister zwei brozene, gekreuzte Fische, die an einer Kette oder einem Band um dem Hals getragen werden. Anläßlich der Verleihung dieser sogenannten „Fischorden“ findet alljährlich Anfang Januar das Fischessen mit Geistergeburt statt (siehe Geistergeburt).

Bei Umzügen führen die Binsengeister ein großes Netz mit, das von einige Gruppenmitgliedern getragen wird. Andere fangen Zuschauer ein, die in das Netz gesteckt und ein Stück im Umzug mitgeführt werden.

Bei Umzügen führen die Binsengeister eine Holztafel mit, auf der eine geschnitzte Maske und die Fische des Fischorden drauf sind.
Bei besonderen Anlässen führt die Gruppe eine 1968 von Hermann J. Müller und Gisbert Grübel entworfene und gefertigte Standarte aus grünem dunklem Samt. Auf ihr befinden sich in einem rostbraunen Kreis zwei gekreuzte messingfarbene Fische, die Matthäus Veit entwarf, und der gestickte Schriftzug „Narrengruppe Lindauer BinsengeisterâEUR.