Rußiger Freitag

Der Rußige Freitag ist geprägt durch den Köfflerjuck der Kornköffler und den Buzentanz der Pflasterbuzen.

Die Narrengruppe der Lindauer Pflasterbuzen hat es sich zur Aufgabe gemacht, in Lindau einen im 17. Jahrhundert urkundlich erwähnten Hahnentanz als echtes, heimisches Fasnachtsbrauchtum wieder zum Leben zu erwecken. Entgegen den üblichen Gepflogenheiten wurde dieser Hahnentanz zur Fasnachtszeit abgehalten. Hahnentänze gehören zur Gattung der „Erntebräuche-Tänze.

Der Ablauf des Buzentanz: Vor dem Alten Rathaus wird der Galgen aufgebaut. Um den Galgen befinden sich zwei Feuerstellen, in denen beim Nahen der Pflasterbuzen rotes Bengalfeuer entzündet wird. Unter Trommelklängen ziehen die Pflasterbuzen, die „Dämonen des Winters“, heran. In einem Weidenkorb bringen sie einen lebendigen Hahn, das Symbol der Fruchtbarkeit, mit. (Anmerkung: seit einigen Jahren wird ausschließlich ein ausgestopfter Hahn verwendet!) Der Weidenkorb wird unter dumpfen Rufen „Hängt den Hahn“ am Galgen aufgehängt. Die „Dämonen des Winters“ wollen das „Symbol der Fruchtbarkeit“, d.h. den nahenden Frühling, töten und damit die Herrschaft des Winters und des Bösen über das Gute erhalten. Drohend wird das Richtbeil gegen den Hahn geschwungen. Die Pflasterbuzen tanzen um den Galgen, sie freuen sich auf das Ende des Hahns.

Da springt aus dem Dunkel der Nacht der Buzenteufel. Er wirbelt um den Galgen und um das Bengalfeuer, das den Rathausplatz in gespenstisches Licht hüllt. Er nähert sich dem Galgen um den Hahn in die Hölle zu holen. Die Pflasterbuzen verharren überraschend, denn der Hahn soll ja ihr Opfer sein.

Ein Pflasterbuz versucht den Buzenteufel durch Bedrohung mit dem Richtbeil zu vertreiben. Beim Kampf um das Richtbeil scheinst es so, als ob der Buzenteufel siegen würde, darum springen mehrere Pflasterbuzen hinzu und helfen dem Richtbeilträger. Dieser Üebermacht muss der Buzenteufel weichen. Mit einem Schrei verschwindet er wieder in der Dunkelheit.

Der Kampf zwischen Buzenteufel und Pflasterbuzen, aber auch ihr Tanz wird durch Trommelklänge begleitet. Dieser Trommelschlag verstummt plötzlich nach einem schnellen Rhythmus: die Buzen verharren schlagartig und lauschen. Sie erkennen, dass auch sie nicht stark genug sind, und den ewigen Ablauf des Lebens aufzuhalten oder zu unterbrechen.

So nehmen Sie den Hahn und versteigern ihn symbolisch auf „amerikanisch“ Art unter den Zuschauern, um den Versteigerungserlös einem guten Zweck zuzuführen.
Die „wilden Dämonen“ sind also nichts als Narren.

In dieser Form wurde der Buzentanz erstmals 1970 am „Rußigen Freitag“ aufgeführt. Seitdem findet er jedes Jahr am gleichen Tag, nach Einbruch der Dunkelheit statt.