Mundart: Suppen-Bruzzler und Nuschel-Briketts

Broadway-Joe amüsiert für drei Stunden âEUR“ Die Festhalle in Weißensberg ist voll besetzt

aus der Linauer Zeitung vom 10.10.2011, von Sabrina Frick

„Mir tun die Wangen weh, die Augen haben getränt âEUR“ ich fand ihn super“, gesteht Linda Künzler. Die Lindauerin ist zum ersten Mal bei einem Auftritt von Broadway-Joe (Josef Haberstock) dabei. Ein Arbeitskollege hat sie auf den Allgäuer Mundart-Kabarettisten aufmerksam gemacht. Schon in der Pause macht Künzler ihrem Wohlwollen Platz: „Super, super, super“. Die Lindauer Moschtköpf´ und die Weißensberger Weihergeister haben Broadway-Joe bereits zum dritten Mal in die Festhalle nach Weißensberg eingeladen. Dabei verkündet er gleich, dass er sehr froh über den klinisch sauberen Namen von „Weißensberg“ sei. Ganz anders sähe das mit Bechtersweiler aus (Joe spricht das mit hartem P aus). Dort hätte er nämlich immer Angst wegen Schicksalsschlägen.

Moon Walk für Grufties

Vom „Moon Walk“ für Gruftis (Anlehnung an Michael Jackson), bis hin zum „Oarsch-Geysir“ (akuter Darmkatarrh), erlebt der Zuschauer alles, was das tägliche Leben zu bieten hat. Joe schmückt seine Gedankengänge mit Liedern oder Prosa aus. Er spricht von der Frau, die eine Delle ins Auto fährt, ihrem Mann das aber so logisch erklärt, dass er hinterher gar nicht mehr weiß, wie er ohne die Delle im Auto leben konnte. Außerdem berichtet er über das harte Leben eines Familienvaters âEUR“ des sogenannten Restles-Esser. Dafür packt er seine Ansichten in ein Lied und bringt viele Zuschauer dazu, zustimmend zu nicken. Ob prosaisch, oder doch in Liedform: Broadway-Joe begeistert mit seinem Witz, seiner Musik und mit seinem natürlichen Auftreten. „Das sind alles Dinge aus dem Leben“, bestätigt das Moschtkopfweible Anni Weh. Für sie ist Joe ein einmaliger Kabarettist. Einmalig findet auch Linda Künzler das Programm: „Ich finde toll, was er vom Programm her anbietet.“ Besonders spricht sie an, dass Broadway-Joe auch ein Programm für Kinder hat. Die Kostprobe zum Kinderprogramm erfährt das Publikum am Beispiel vom Schokodil, das sich die Zuschauerin Petra gewünscht hat. Das Kinderlied begeistert alle sehr. Das Klatschen während des Lieds verlangt allerdings einiges an Konzentration zu später Stunde. Was anfänglich etwas tückisch ist. Der Kabarettist motiviert sein Publikum die ganze Zeit über, aktiv mitzumachen. Das bindet die Zuschauer für den gesamten Auftritt an den Künstler.

Ende mit Besinnlichkeit

Broadway-Joe begeistert seine Mitmenschen, ob er nun über seine Studievom Dreck „Hoi Dreck, bisch schu wieder do“ oder den allgäuerischen Dialekt indianisch singt. Rätseln muss das Publikum aber auch. Dabei geht es um den sogenannten Suppen-Bruzzler, alias Mikrowelle, oder das Nuschelbrikett. Damit betitelt Broadway-Joe das Handy. Zum Abschluss beeindruckt der Kabarettist seine Zuschauer mit einem ernsteren und besinnlichen Flötenstück âEUR“ das er zweistimmig flötet. Dazu sagt Künzler: „Den Schluss fand ich ganz verblüffend.“ Auf Joes Frage „Linda, hat es sich gelohnt, dass Du hergekommen bist?“, antwortet Linda Künzler: „Und ob.“ Der darauffolgende tosende Beifall spricht für sich.

Broadway-Joe amüsiert für drei Stunden