Narren strahlen mit der Sonne um die Wette

aus der Lindauer Zeitung vom 04.02.2008:

42 Narrengruppen, Fanfarenzüge und Vereine sowie Tausende von Zuschauern âEUR“ viele davon wunderschön verkleidet und geschminkt âEUR“ sind gestern Nachmittag der Einladung zum Narrensprung der Lindauer Narrenzunft gefolgt. Zwei Stunden lang schlängelte sich der kunterbunte närrische Zug durch die Gassen der Insel.

Was für ein herrliches Wetter für einen Narrensprung! Für die Zuschauer und die Teilnehmer des Narrensprungs hätte es schöner nicht sein können. Wahre Menschen-Karawanen zogen ab 13 Uhr auf die Insel. Diese war entgegen der Vorabmeldungen nicht gesperrt, weil der Umzug sich ausschließlich durch den Inselkern bewegte. Die Polizei freute sich, dass so viele Leute vernünftig waren und zu Fuß, mit dem Bus oder mit dem Fahrrad kamen. „Dadurch ist es recht ruhig und von Verkehrschaos keine Spur“, wie Oberkommissar Joachim von Einsiedel beruhigt feststellte.

Bis zum Umzugsbeginn säumten viele tausend Menschen die Straßen an den wichtigsten Plätzen. Am Seehafen, der in der warmen Wintersonne besonders einladend war, tummelten sich besonders viele Zaungäste. Drei Böllerschüsse ertönten âEUR“ und dann passierte relativ lange gar nichts. Schließlich tauchten die Pferde des Reitvereins Lindau auf. Ruhig gingen sie unter ihren Reitern durch die Menschenmenge und ließen sich durch die lauten „Hoppla-Ho!“-Rufe kaum beeindrucken. Es folgte die Kutsche mit den Narreneltern der Narrenzunft Lindau, Rosemarie und Herbert Baldauf.

Schließlich kam der Umzug in Fluss und jetzt mussten sich die Zuschauer beeilen, um die richtigen Narrenrufe für die Gruppen parat zu haben âEUR“ wer etwa auf „Biber weg!“ nicht mit „Hennadreck!“ antwortete, konnte seine Frisur vergessen, denn Haarewuscheln ist der Lieblingssport aller Narren. Bei richtiger und schneller Antwort gab es dafür ein „Guzle“. Vor allem die Moos- oder Weihergeister waren gefürchtet. Sie ärgerten die Zuschauer mit ihren Binsen- und Grasbüscheln und rieben den weißen Flaum mit Vorliebe auf dunkle Mäntel.

Verknotete Schuhbänder, Konfettiduschen und Sägemehl-Einreibungen gab es ohne Aufforderung; denn die gehören zum Narrensprung nun einmal dazu. Das muss ein richtiger Zuschauer wegstecken âEUR“ sonst hilft nur, sich in hinterster Reihe zu verstecken. Oder, wie die Inselbewohner einen Logenplatz zu haben und sicher und mit bestem Üeberblick von oben auf das närrische Treiben zu blicken. Besonders im Blick haben die Maskenträger natürlich die Gäste auf der Ehrentribüne vor dem Rathaus. So zeigte eine Schönauer Hexe stolz den von Landrat Eduard Leifert erbeuteten Schuh.

Von weit her waren einige Narrengruppen angereist âEUR“ da waren die Gloggabender aus Ulm oder die Daifel aus Buxheim. Zwischen das närrische Gesinde waren immer wieder Fanfarenzüge und Schalmeien gestreut, was für den richtigen Rhythmus und extrem gute Laune beim Publikum sorgte.

Besonders interessiert wurden die einheimischen Gruppen beäugt: Die Wasserhexen aus Wasserburg, die Mädle auf den Boden rissen und eine Massen-Kuschelrunde einlegten âEUR“ eine Hexe drunter, damitâEUR(TM)s schön weich ist und sich niemand verletzt. Oder die Schönauer Hexen, die einen riesigen Hexenwagen mit sich rumschleppten âEUR“ größer ging es fast nicht mehr âEUR“ und eine funkelnagelneue Pyramide am Rathaus präsentierten. Und natürlich, gewissermaßen als Nachhut, die Gruppen der Narrenzunft Lindau, die Kornköffler und die Moschtköpf, die Pflasterbuzen und die Binsengeister âEUR“ damit auch alle gut am Ziel ankamen.

Der Artikel zum Narrensprung 2008 aus der Lindauer Zeitung als PDF