Bericht vom Häsabstauben

aus der Lindauer Zeitung vom 14.01.2008:

Hoppla Ho! Narren freuen sich auf eine schnelle und wilde Fasnacht

LINDAU (eka) âEUR“ Auch in Lindau sind die Narren wieder unterwegs. Mit dem Häsabstauben nahmen die Narren am Freitagabend in gewohnter Weise die Lindauer Insel in Besitz. Zunftmeister Udo Falge empfahl angesichts der kürzesten Fasnacht des Jahrhunderts, diese „schnell und wild“ zu feiern.
Warm ums Herz wurde den Zuschauern nicht nur wegen der Föhntemperaturen, sondern weil sie nach langer Abstinenz wieder ihre Lindauer Fasnacht erleben durften. Fanfarenzug, Binsengeister, Pflasterbuzen, Moschtköpfe und Kornköffler reihten sich aus der Dunkelheit der Nacht heraus nacheinander am Maxhof, Marktplatz, Alten Markt, Rathaus und Schrannenplatz in den Narrenwurm ein. Zu diesem zählten neben etlichen Narrenfreunden auch die Königlich-Privilegierten Schützen und der Musikverein Reutin. Dabei verlasen Zunftbüttel Rudi Mäder und Narrenvater Herbert Baldauf Texte des im vergangenen Jahr verstorbenen Malerpoeten Martin Thomann.

Als Vertreterin der Stadtratsnarren war die treue Fasnachterin Obine Petra Seidl dabei. Einige Lindauer öffneten ihre Fenster und winkten den Narren zu, als „In Lindau isch die Fasnet schee“, das Binsengeisterlied, ein Trommelwirbel der Pflasterbuzen, die Moschtkopfmelodie und der Köfflerjuck erklangen.

Warum wollen Menschen jeden Alters eine solche Veranstaltung erleben, und was gibt ihnen die Fasnacht? Der zweijährige Marlon lief vom Maxhof tapfer mit seiner Oma mit und ist stolz darauf, dass seine Eltern bei den Narren die Fanfare blasen und trommeln. „Ich bin seit Jahren gern dabei und finde das schön“, sagt die 34-jährige Michaela und zieht mit den Narren weiter.

Die gebürtige 41-jährige Lindauerin Christine feiert zwar seit Jahren die Lindauer Fasnacht mit, doch das „Häsabstauben“ erlebt sie das erste Mal und ist „begeistert“. Ein ums andere Foto hält der 68-jährige Peter fest. Als gebürtiger Berliner ist er nicht nur stolz darauf, dass sein jüngster Sohn ein „Insulaner“ ist. Er fotografiert vielmehr auch seit zehn Jahren mit Freude das Häsabstauben auf der Insel.

Freundin und Cousine des 17-jährigen Christian sind Binsengeister. Deshalb steht er am Unteren Schrannenplatz in guter Aussicht und verrät, dass für ihn das Ereignis „jedes Jahr ein Mordsspaß“ sei. Glücklich über die Fasnacht ist auch die gleichaltrige Steffi. Sie liebt die fünfte Jahreszeit „wegen der Stimmung“ und ist bei der Lindauer Fasnacht immer wieder dabei.

Kinder dürfen im Brunnen spielen

Weniger Spaß erlebt offenbar die Brunnenwächterin Lollo Kipp. Sie muss sich ihre an diesem Tag überreichte bayerische Brotzeit fürs Sauberhalten des Brunnens sauer verdienen. Sie moniert daher, dass Lindaus Narrenbrunnen kein Abfallkorb sei, die Blumen nicht beschädigt werden sollten und sie vor allem gerne auf die vielen Hundehaufen verzichten würde. Es freut sie hingegen von Herzen, wenn das Jahr über Kinder am und im Brunnen spielen.

Artikel zum Häsabstauben aus der Lindauer Zeitung als PDF