Narrennacht

Aus der Lindauer Zeitung vom 05.02.2007

Narren erobern die Insel im Sturm und mit Charme

LINDAU – Was für eine Nacht! Tausende Feierwillige und Feierwütige haben bereits ab dem frühen Samstagnachmittag die Insel gestürmt. Narrennacht war angesagt âEUR“ die ist erfahrungsgemäß lang. Tausende Narren und närrische Zivilisten haben bis in die Morgenstunden friedlich gemeinsam gefeiert.

Von unserer Mitarbeiterin Susi Donner

Eine geballte Ladung Fasnacht ergießt sich über die Insel. Mit Schiffen, Bussen und Zügen kommen die Narren nach Lindau âEUR“ was während des Jahres eine sehr fragwürdige Schlagzeile wäre, ist an diesem Tag Grund zur Freude: An die 7000 Hästräger werden in Lindau zum Landschaftstreffen erwartet, und ein Großteil ist bereits am Samstag angereist, um die lange Narrennacht gebührend mitzufeiern. Es geht rund auf der Insel. Beim Gasthaus Sünfzen geht schon ab 18 Uhr nichts mehr. Die Türsteher wiederholen verzweifelt: „Da drin ist voll, das passt keiner mehr rein.“ So voll sind auch andere Kneipen und die Zelte der Zeltstadt bei der Inselhalle: Die Leute tanzen auf den Tischen, weil auf dem Boden kein Platz mehr ist.

Durch alle Gassen des Inselstädtchens ist närrischen Volk unterwegs. Ein Bimmeln und Schellen, ein Lachen und Singen ist das âEUR“ die Insel lebt. Guggenmusiken spielen bis weit nach Mitternacht immer wieder auf, Musik dröhnt und scheppert aus Zelten und Lokalen, vor den Kneipen sind Verpflegungsstationen aufgebaut, was von Zünftlern gerne angenommen wird. Vor „MikeâEUR~s Irish Pub“ gibt es gar heißen Caipirinha: „Teufel, das haut rein“, sagt ein Zünftler, der die Hexenmaske lässig über die Schulter gehängt hat, und ordert gleich den nächsten. Die 24 teilnehmenden Kneipiers haben sich gut vorbereitet, bei vielen ist bereits vor der Gaststätte für Verpflegung gesorgt und alle haben ihre Gasträume auf den besonderen und närrischen Ansturm vorbereitet âEUR“ Restaurants sind zur Trinkhalle umgebaut worden und das Nahrungsangebot wurde auf schnelles und unkompliziertes Fingerfood umgestellt.

Oft ist es rappelvoll
Wie viele Leute in dieser Nacht auf der Insel unterwegs sind, ist schwer zu sagen âEUR“ der Menschenstrom ist derart lebendig und rege, dass nur Schätzungen möglich sind. Je nach Standort ist es rappelvoll, und die im engen Gedränge hautnah gefühlten Zahlen liegen weitaus höher als die geschätzten. Feuerwehr und Sanitätsdienst, Wasserwacht und Sicherheitsdienst drehen im Gewühl ihre Runden, die Polizei umkreist in regelmäßigen Abständen das Partyareal, aber zum Glück passiert nichts Besonderes.

„Es sind so viele Zunftler da, die benehmen sich gut, die freuen sich darüber, dass die Kneipiers ein schönes Essensangebot haben und feiern sehr friedlich“ sagt Thomas Freilinger, Zunftkanzellar von der Narrenzunft Lindau zufrieden. Zu viel Zeit haben die Mitglieder der Narrenzunft in die Vorbereitung investiert, als dass es jetzt irgendeinen kalt lassen würde, wie diese Narrennacht ankommt und gelingt. Es schweben, tänzeln und hüpfen neben den Brauchtumsmasken der Zünfte auch viele zivile Bienchen und Häschen, Feen und Zauberer, Hexen und Außerirdische durch die Gassen und Straßen, feiern in den Lokalen und Zelten. Der Alkohol fließt in Strömen âEUR“ aber Freilinger hat Recht: die Narren wissen sich zu benehmen.

Nach dieser Hardcore-Prüfung stehen um fünf Uhr morgens immer noch erstaunlich viele Narren irgendwo auf der Insel auf ihren zwei Beinen. Es lässt sich eben nicht klein kriegen, dieses närrische Volk. Um acht Uhr morgens erklärt Gerhard Weigl, der Einsatzleiter der Bereitschaft vom BRK Lindau, die, unterstützt von der Wasserwacht, vorarlbergischen Rotkreuz-Diensten und umliegenden Rotkreuz-Gemeinschaften für Notfälle parat stand: „Wir sind sehr zufrieden mit den Narren. Es war eine absolut ruhige und friedliche Nacht, es gab keine Schlägereien oder sonstigen Ausfälle.“Das spreche doch sehr für die Narren, die eine schöne Fasnacht nach Lindau gebracht haben.

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