Vorbericht Landschaftstreffen

Aus der Schwäbischen Zeitung von 02.02.2007

Lindauer freuen sich narrisch auf viele Gäste

LINDAU – Da haben die Lindauer Narren ganz schön gestaunt, als vergangenes Jahr die Deutsche Bahn anrief. „Die wollte wissen, wie viele Besucher kommen und woher die anreisen“, erzählt Zunftkanzellar Thomas Freilinger. Nun rollen am kommenden Wochenende einige Sonderzüge auf die Insel: Lindau erwartet 7000 Hästräger und 12 000 Zuschauer zum Landschaftstreffen.

Von unserer Redakteurin Katrin Neef

Thomas Freilinger empfiehlt am Sonntag ein Mittagessen auf der Lindauer Insel. Warum? Weil ab 13.30 Uhr 7000 Hästräger durch die Altstadt toben. Wohl dem, der dann das Auto schon geparkt, den Hunger gestillt und sich ein Plätzchen mit Aussicht gesichert hat. Die Narrenzunft Lindau lädt zum Landschaftstreffen âEUR“ das Freilinger und Vereinskollegen seit zwei Jahren vorbereiten.

Wenn die Bahn Sonderzüge einsetzt, passiert das nicht ohne Grund: Am Samstag ist Freinacht, am Sonntag großer Narrensprung. Das Wochenende soll zur Großveranstaltung werden, wie sie die Inselstadt nicht oft erlebt. Dass dieser Anspruch der Narren nicht ganz aus der Luft gegriffen ist, zeigen allein die rund 500 Mitglieder befreundeter Zünfte, die in Turnhallen übernachten werden. „Mit Dusche und Frühstück“, betont Mitorganisator Thomas Freilinger. Andere Teilnehmer steigen in Hotels ab oder sind privat untergebracht.

Startschuss ist am Samstag um 15.30 Uhr mit dem Narrenbaumstellen vor dem Alten Rathaus. Danach stehen Brauchtumsveranstaltungen auf dem Programm. Wer gute Kondition hat, muss in der Nacht auf Sonntag nicht ins Bett gehen: Viele Kneipen auf der Insel beteiligen sich an der Freinacht, auf dem Parkplatz der Inselhalle laden verschiedene Vereine in ihre Zelte ein. Höhepunkt des Landschaftstreffens ist am Sonntag ab 13.30 Uhr der große Narrensprung, der sich über die Insel zieht.
„Feiern ein tolerantes Fest“

Thomas Freilinger ist in der fünften Jahreszeit ein „Moschtkopf“, eine der vier Masken der Lindauer Narrenzunft. Er ist in der Zunft, seit er denken kann und hat schon im Kinderwagen an Umzügen teilgenommen. Was bedeutet Fasnacht für ihn? „Eine Mischung aus Tradition und Spaß haben. Wir haben zum Beispiel Brauchtums-tänze, die ganz streng nach jahrzehntealten Choreographien ablaufen. Auf der anderen Seite gibt es in den Zelten auch Kölner Karneval. Man muss offen sein.“ Offenheit ist für ihn auch eine wichtige Voraussetzung für ein Narrentreffen: „Wir wollen unsere regionale Identität bewahren, feiern aber mit den anderen ein buntes, tolerantes Fest. Jede Gruppe bringt ihre Tradition mit, und genau das macht ein solches Treffen aus. Wenn 7000 Moschtköpfe über die Insel laufen würden âEUR“ das wäre langweilig.“ So sind rund 40 Zünfte mit verschiedenen Maskengruppen und rund 40 Musikgruppen dabei.

Eine gewisse Erfahrung haben die Lindauer Narren mit Großveranstaltungen schon: Bereits 1999 haben sie ein Landschaftstreffen gestemmt. „Damals lief alles glatt.“ Trotzdem haben sie vor zwei Jahren mit den ersten Vorbereitungen angefangen: Verkehr, Sponsoren, Kontrollen âEUR“ und wer ist verantwortlich, falls was passiert? Die Narrenzunft hat ihre Vereinshaftpflichtversicherung jedenfalls erweitert. Und natürlich hat sie Beistand: Polizei, Feuerwehr, Rotes Kreuz und Technisches Hilfswerk haben rund um die Uhr Dienste auf der Insel eingerichtet. Besonderes Augenmerk wird man auf den Jugendschutz legen âEUR“ ohne die jüngeren Besucher auszuladen: Das Jugendzentrum „X-tra“ hat am Wochenende ebenfalls geöffnet.

Nun hofft die Zunft, dass alle Besucher ein Umzugsabzeichen kaufen. Das kostet drei Euro und soll das Geld wieder in die Vereinskasse spülen, das die Vorbereitungen gekostet haben. Würde der Verein ein Minus machen, müssten die Mitglieder mehr Beitrag zahlen. „Und das wäre schade, weil wir im Endeffekt ja was für die ganze Stadt machen“, sagt Thomas Freilinger.

Narrisch sein, bis sich das Rathaus dreht: Am Wochenende werden Tausende Hästräger zum Landschaftstreffen in Lindau strömen.

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