Sonderseite Landschaftstreffen

Aus der Lindauer Zeitung vom 11.11.2006

Sonderseite: Auf zum großen Sprung

Landschaftstreffen und Fasnachtsball: Die Narrenzunft Lindau erwartet zum Landschaftstreffen 7000 Hästräger und zum Ball viele Piraten

Den Lindauer Narren steht Großes bevor: Sie sind Gastgeber für das Landschaftstreffen Oberschwaben/Allgäu âEUR“ acht Jahre nach dem großen Erfolg von 1999, als die Lindauer mit ihren närrischen Gästen ein Mega-Fest gefeiert haben, an das sich heute noch viele gerne erinnern.
Schon jetzt können sich die Lindauer und ihre Gäste auf eine Neuauflage freuen: Am Samstag und Sonntag, 3. und 4. Februar 2007, ist wieder Landschaftstreffen in der Inselstadt âEUR“ mit Narrennacht und einem großen Narrensprung, zu dem mehr als 7000 Hästräger erwartet werden. Landschaftstreffen heißt dieses Ereignis deshalb, weil die Vereinigung der Schwäbisch-Alemannischen Narrenzünfte (VSAN) in mehrere Landschaften unterteiltâEUR“ eine davon ist eben die Landschaft Oberschwaben/Allgäu, zu der auch die Narrenzunft Lindau gehört. Sie bereitet sich schon seit dem Frühjahr auf diese Großveranstaltung vor, die ein Höhepunkt werden soll, wie es ihn nicht oft in der Inselstadt gibt.
Den Auftakt des Narrentreffen macht am Samstag, 3. Februar, um 15.30 Uhr das Narrenbaumsetzen vor dem Alten Rathaus. Auf diesem historischen Platz tanzen alljährlich die Lindauer Moschtköpf nach dem Narrenbaumstellen ihren Moschtkopftanz. Auf weitere Brauchtumsvorführungen inmitten der Lindauer Altstadtkulisse folgen Narrenmesse und die Narrennacht. Denn von Samstag bis Sonntag wird auf der ganzen Insel gefeiert. So haben sich viele Vereine gemeldet, die in Zelten den Parkplatz bei der Inselhalle mitbewirten, etliche Inselwirte haben ebenfalls zugesagt. Sicherheitshelfer, Verkehrsplaner und Werbeteams sind auf den Ansturm der Narren vorbereitet.
Der Höhepunkt des Landschaftstreffen ist am Sonntag, 4. Februar, ab 13.30 Uhr der große Narrensprung, der beim direkt vor der Insel gelegenen Toskanapark beginnt, sich über die Insel zieht und an der Inselhalle endet. Schirmherr des Landschaftstreffens ist übrigens Prinz Luitpold von Bayern. (rue)

Piraten erobern die Inselstadt
Zu den Höhepunkten im Lindauer Narrenjahr gehört auch der Fasnachtsball, den die Narrenzunft für die vergangene Saison völlig neu konzipiert hat. Nun feiern die Narren zum zweiten Mal im Einkaufszentrum Lindaupark. Es gibt Show und Tanz auf zwei Etagen, fünf Cafés und Restaurants, vier Bars, zwei DJs und eine Band: „Life Style“. Das Motto des Balls lautet „Pirateninsel“. (rue)

Vier Masken für Vielfalt
Narrenzunft Lindau ­ Moschtköpfe, Binsengeister, Kornköffler und Pflasterbuzen sind die vier Maskengruppen
Vier Maskengruppen gehören zur erst rund 40 Jahre jungen Narrenzunft Lindau: die Moschtköpf mit 76 Mitgliedern, die Binsengeister mit 109, die Pflasterbuzen mit 78 und die Kornköfler mit 51 Mitgliedern. Hinzu kommen der Fanfarenzug mit 30 Musikanten, 22 Laufnarren, der Büttel, die Narreneltern und die Zunftregierung. Einschließlich ihrer passiven Mitglieder vereint die Narrenzunft Lindau derzeit 638 Mitglieder.
Der Moschtkopf war die erste Maskengruppe in Lindau. Die Lindenholzmaske in Form eines Apfels oder einer Birne ist die einzige Vollholzmaske in der Fasnacht überhaupt âEUR“ und machte es der Narrenzunft Lindau erstmal schwer, überhaupt aufgenommen zu werden in die Vereinigung der Schwäbisch-Alemannischen Narrenzünfte (VSAN). Heute ist man stolz auf diese Besonderheit. Das einfache Gewand sowie der rote und grüne Strumpf, den die Narren tragen, zeigen, wie arm die Bauern hier waren, nachdem eine Rebkrankheit den Weinbau unmöglich gemacht hatte und man auf Obstbau und Mostherstellung umstellen musste. „Dia Moschtköpf do dunda vom See“ sagen Allgäuer oft über die Lindauer âEUR“ und kommen doch gern zu ihnen.
Die Binsengeister kamen wenige Jahre später dazu. Die Haubenmaske mit Binsen auf dem Kopf, die individuell gestaltete Libelle und die zarten, geisterhaften Glöckchen am Häs spiegeln die zauberhafte und mystische Stimmung im Schilfgürtel am Ufer des Festlands, das heute Vogelschutzgebiet ist. Die Binsengeister haben ein großes Netz dabei, unter das sie meist junge Mädle stecken, die eine Weile in gebückter Haltung mitlaufen müssen, bis sie wieder entlassen wurden.
Die Kornköffler sind Lindaus Weißnarren und tragen handbestickte Gewänder. Sie lächeln die Umzugsbesucher lieb an und stecken ihnen ganz nebenbei eine Hand voll Korn in den Kragen. Diese Maskengruppe erinnert daran, dass einst auf der ganzen Insel viel Handel getrieben wurde, was heute noch an Straßennamen wie Zitronengässele, Salzgasse und Schrannenplatz erkennbar ist. Gerade Letzterer zeigt, dass der Kornhandel von großer Bedeutung war.
Die Pflasterbuzen kamen als vierte Maskengruppe hinzu. Eine dämonische Sagengestalt trieb wohl im Mittelalter ihr Unwesen und verbreitete Angst auf der Insel. Auf dem (nicht echten) Pflasterstein, den die Hästräger um den Hals hängen haben, steht unten das jeweilige Eintrittsdatum in die Gruppe. Die wilden Masken mit echtem, dunklem Fell, rotschwarzem Gewand und furchterregenden Stoßzähnen ergänzen das bunte Bild der Lindauer Fasnacht. (lz)

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