Fasnachtsball

Aus der Lindauer Zeitung vom 13.02.2006

Auf der Baustelle geht es heftig rund

Der Lindaupark hat seine Feuertaufe als Partyburg bestanden. 1100 ausgelassene Fasnachtsbutzen verbrachten mit der Narrenzunft Lindau eine lange Nacht im Einkaufszentrum. Einfach mal woanders feiern, dem traditionellen Ball der Narrenzunft einen neuen Anstrich zu verpassen, war das Ziel, und das ist allem Anschein nach erreicht.

Am frühen Samstag bewegen sich seltsame Gesalten in Richtung Lindaupark: Pilonen, groß wie ein Mensch, wogen durch die Dunkelheit ein Dixiklo wackelt und hüpft über den Zeprastreifen, und Bauarbeiter mit Schutzhelmen entern das Einkaufszentrum. Was ist hier los ? Wird der Lindaupark umgebaut ? Nein, er wird für eine Nacht zum Zentrum der Narren. Bauzäune und Schubkarren bestimmen dort das Bild, so sonst Einkaufswägen geschoben und Einkaufstüten geschleppt werden.
Das Motto ist gut gewählt. Mit „Auf der BaustelleâEUR hat die Narrenzunft einen Volltreffen gelandet. Originell und mit viel Fantasie haben es die Besucher des ersten Narrenzunftballs im Lindau umgesetzt. Die Horde kichernden „weibsgroßerâEUR Pilonen läßt ihre Röcke kreisen und wogen. Dutzende Bauarbeiter klatschen begeistert Applaus beim kurzweiligen Programm des Abends, und das Dixiklo schaukelt vergnügt über die Tanzfläche im Restaurant, die die Party-Band Lifestyle beschallt. Allen Versuchen, es auch zu benutzen, widersetzt es sich vehement. „Die Tür bleibt zu!âEUR Einen Stock tiefer legen die DJ´s Matze, Jörg und Olli di Mucke für die junge Generation auf, und auch hier die Tanzfläche immer voll.
Der Lindaupark als Partyhcohburg ? Eine ganze Nacht lang hat das hervorragend funktioniert. Die notwendigen Absperrungen lassen sich mühelos als Bauzäune in das Szenario einbauen. Auf zwei Stockwerken, die mit dem Fahrstuhl erreichbar sind, feiern gut 1100 ausgelassene Gäste. DAs kurzweilige Programm hat es in sich. Die Narrenzunft hat vor allem was fürs Ohr und fürs Auge organisiert. Im wenn es wieder was zu hören oder sehen gibt, drängeln sich alle Mäschkerle umd die Bühne im Restaurant. Da tanzen die Tanzgruppe der Narrenzunft Lindau und der Weißensberger Weihergeister. Da macht die Moschti-Men-Group Blödsinn. Und was bei einem Zunftball natürlich nicht fehlen darf. Abordnungen befreundeter Zünfte sorgen für ohrenbetäubenden Rhythnmus. Die farbenprächtigen „LoohornschneaggaâEUR aus Lochau und die Nonnenhorner Turbomusik lassen es krachen. Der Bregenzer Fanfarenzug gibt ein Stelldichein und verleiht dem Chef des Fanfarenzuges der Narrenzunft Lindau, Lukas Garofalom einen Orden. Neuravensburger und Weißensberger Schalmeien spiele auf, und die Schilfgeister aus Elmenau zeigen Narrenakrobatik. Die Ballbesucher sind mehr als zufrieden. Mancher wechselt zwischen den Stockwerken hin und her, andere haben bald ihr Plätzchen gefunden, sei es auf einer Tanzfläche oder an einer Bar

Aufallend viele reifere Semester tummeln sich im farbenfrohen Gewühle. „Es sind gut 300 Zünftler da, jeder Narr, der schon aus den Windeln raus ist, hat geholfen und auch die Alten sind komplett da. Leute mit über 70 und welche, die das Mindestalter, um reinzukommen, gerade erst erreicht haben, feiern gemeinsam. Das ist herrlichâEUR , freut sich Thomas Freilinger von der Narrenzunft.
Maskenprämierung gibt es keine, welcher der vielen Bauarbeiter sollte auch gewinnen ? Allerdings sind ein paar besonders auffallende Köstümierungen dabei. So sorgen beispielsweise Conny und Reiner für Aufsehen mit ihren Froschaugenbrillen oder Mönch, der mit zwei Teufelinnen unterwegs ist. Alles in allem ist der Zunftball eine sehr gelungene Party. Auch Jürgen Rockstroh, Centermanager des Lindauparks, bekleidet mit einem Gefahrenschutzanzug, schaut vergnügt ins Getümmel: “ Das ist eben der Lindaupark, hier herrscht immer Leben!âEUR
Am frühen Sonntagmorgen verlassen seltsame Gestalten den Lindaupark. In Absperrbänder gewickelte Partylöwen, ein Mädchen mit einem Dixiklo unter dem Arm, Bauarbeiter, denen die Schutzhelme recht schief auf dem Kopf sitzen – auch ein paar müde Pilonen schaukeln Arm in Arm nach Hause.