Fasnacht oder nicht?

Aus der Lindauer Zeitung vom 05.01.2006

Pro & Contra – Eine unernste Frage: Fasnacht oder nicht?

Es gibt Menschen, die können sich nicht vorstellen, auf Knopfdruck fröhlich zu sein, gruselige Masken aufzusetzen und schunkelnd und mit Narrenkappe versehen, „seltsame LauteâEUR auszustoßen. Sie kommen sich in der Fasnet verkauf und verloren vor. Anderen käme es gar nicht in den Sinn, etwas anderes wie die 5. Jahreszeit in Frage zu stellen. Für sie gehört es zum festen Jahreablauf, die kalte und trübe Jahreszeit zu Beginne des Jahres mit ein paar Farbtupfern zu versehen und mit Frohsinn zu überbrücken. Geschmäcker sind eben verschieden, und so elementare Fragen wie Fasnacht oder nicht? können sich leicht zu Glaubensfragen auswachsen. Wie die Argumente Pro und Contra Narrentei darüber hinaus aussehen können, zeigen diesmal die Redakteure Bernd Galler und Anton Fuchsloch auf – nicht ganz ernst gemeint, wie man sich vorstellen kann.

Die Frage erübrigt sich
Für jeden halbwegs kulitivierten Menschen kann es überhaupt nicht in Frage kommen, das Brauchtum – egal, welcher Art – in Frage gestellt wird. Ob Fasnacht oder Fasnet, Karneval oder Fasching – die 5. Jahreszeit ist unverzichtbarer Bestandteil des Brauchtums und damit des Kalenders. So wurzelt etwa die Sitte des Winteraustreibens viel tiefer in der Geschichte der Menscheit als das Christentum. Und würden Sie geneigter Leser, auf Weihnachten oder Ostern verzichten wollen ? Til Eulenspiegel verkörpert gemeinhin die Symbolfigur der Narren und damit den tieferen Sinn aller Narretei: sich selber und der Obrigkeit einen Spiegel vorhalten. Dass dabei die Wirklichkeit nicht mit dem Bierernst des Lebens wiedergegeben wird, liegt in der Natur der Sache. Womit wir beim Humor wären, der einfach als Stilgattung des Komischen gelten kann, im genauen Sinn aber die Gabe eines Menschen beinhaltet , „der Unzulänglichkeit der Welt und der Menschen, den Schwierigkeiten und Missgeschicken des Alltags mit heiterer Gelassenheit zu begegnenâEUR, wie der Duden vermerkt. Oder wie es im Aphorismus heißt: „Mit einer Träne im Auge lachend dem Leben beipflichten. Und wer möchte das nicht! Schon aus Spaß an der Freud sollte man auf Frohsinn nicht verzichten. Lachen ist immer noch die beste Medizin; das wissen selbst die, die dazu in den Keller gehen. Nicht zu vergessen: den Kommerz. Mittlerweile stellt die Fasnet einen so wichtigen Wirtschaftsfaktor dar, dass ohne sie einem ganzen Haufen das Lachen glatt vergehen würde.

Verkauf und Verloren
Oh je, ab morgen goht´s wieder drgega. Landauf landab holen sie ihre verstaubten Häser aus dem Schrank, setzen gruselig Masken auf, ziehen hüpfend, schellend und seltsame Laute von sich gebend durch die Straßen. Für Hexen, Kobolde, Grendl, Glonker und andere Geister zählt bis Aschermittwoch nur noch eins: die Sau raus lassen. Wer da nicht mithalten kann, wie unsereins, ist verkauft und verloren. Was die hochheilige närrische Gesellschaft überhaupt nicht brauchen kann, ist Verständnislosigkeit. Aber gerade das ist es, was mich in der Fasnet immer übermannt. Wie muss es gestandenen Erwachsenen zumute sein, sich derart zum Affen zu machen ? Kann man denn nur mit einer Narrenkappe auf dem Haupt und einer Larve vor dem Gesicht ausgelassen sein? Gewiss, das Brauchtum schreibt´s so vor, und das ist bei den Narren heilig. Aber bittschön, wo leben wir denn? Die Zeiten sind doch vorbei, als man noch geglaubt hat, mit Hexenzauber den Winter zu vertreiben. Vom religiösen Ursprung der Fasnet als Vorläufer der Fastenzeit ist sowieso nicht mehr übrig. Wer geht schon am Aschermittwoch in Sack und Asche? Da wird ausgeschlafen und der Kater besänftigt, denn spätestens zum Starkbieranstich goht´s schon wieder drgega. Selbst der Anlass für derartige Ausgelassenheit, es denen da Oben mal so richtig zu zeigen und Spiegel vorzuhalten, zieht nicht. Es gibt zig andere Spaßmacher, Humoristen und Leuteverarscher, die das jahrein jahraus professionell, ja bis zum Erbrechen, machen.