Narren treiben auf der Insel Schabernack

Aus der Lindauer Zeitung vom 07.02.2005

Narren treiben auf der Insel Schabernack

Rund einhundert Minuten dauerte heuer der Lindauer Narrensprung mit rund 3000 Teilnehmern aus Bayern, Vorarlberg und Baden-Württemberg. Fanfarenzüge, Schalmeien, Schellenklang und Großrätschen sorgten ebenso für Stimmung wie farbenfrohe Hexen, Geister, Weißnarren, Rebleute oder Wildsauen.
Es fiel auf, dass in immer mehr Zünften die Frauen das Regiment führen. Mit Freunde vermerkten die Lindauer Narren, dass sie treue Freunde besitzen, die seit Jahrzehnten über die Insel ziehen. Mit dabei waren auch der Förderverein Reutiner-Kulturvereine und der Turnverein Lindau-Reutin, der auf sein 100. Jubiläum im Sommer hinwies. Besonders schöne Weißnarren mit bemaltem Kleidle kommen aus Geislingen. Von den Mengener Narren zum Einsatz kamen die selten gewordenen Saublodre (Schweinsblasen). Den aus dem Mitteralter stammenden Begriff vom Narrenschiff griffen die Dornbirner und die seit Jahren mitmachenden Wikinger auf. Die größten Wildschweine kamen von Erbach an den Bodensee. Besonders originell präsentierten sich die dickköpfe aus Gerazhofen. Von der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSAN) kamen die Freunde aus Kißlegg und Tettnang in die Inselstadt, deren ZUnft ebenfalls zur VSAN zählt. Das Lindauer Publikum spielte beim großen Narrenspiel begeistert mit. Zuschauer gingen immer wieder auf die kleinen und großen Narren zu. Noch häufiger griffen sich die Narren vor allem Mädchen und Frauen vom Gehweg für einen Schabernack heraus. Spaß haben am närrischen Umzug in erster Linie die Kinder. Ihnen gefallen am Narrenwurm am besten die ihnen zugesteckten Süßigkeiten.
Erwähnt werden sollten in der Fasnacht die stillen Helfer im Hintergrund, die mit dem Aufhängen der Narrenwäsche in den Altstadtgassen erst die Feier ermöglichen. Im überdies mit prächtigen Blumen geschmückten Alten Rathaus kam gestern Vormittag beim Zunftmeisterempfang zwar trockende Luft, aber keine Langeweile auf. Die Kißlegger Narren ließn Zunftmeister Udo Falge mit Tauchausrüstung ins Wasser kopfuntertauchen. Landvogt Eduard Leifert bestätigte der gelungen agierenden Obine Petra Seidl, sie hätte auch das Zeug für eine Zunftmeisterin. Für Heiterkeit sorgten schließlich die Schaffner-Erfahrungen mehrerer mit dem Zug angereisten Narren mit den Baden-Württemberg oder Bayern-Ticket. Statt der üblichen Mitbringsel brachten die auswärtigen Zünfte den Lindauer Narren Geld für die Flutopfer in Asien mit.