Häsabstauben

Aus der Lindauer Zeitung vom 11.01.2005

Die närrische Maskerade ist eröffnet

Eines der reizvollsten Dinge des fastnächtlichen Treibens ist die Vermummung: Sie hebt den Menschen in eine außergewöhnliche Sphäre und macht ihn zu etwas, was er im Alltag nie sein kann. Beim Häsabstauben der Lindauer Narrenzurift am Freitag zeigte sich auch OB Petra Seidl vom Brauch der Narrenzunft erneut begeistert. Bei aller Narrenfreude dachte Zunftmeister Ude Falge auch an die Flutopfer in Asien.

In Form einer öffentlichen Bekanntmachung an historischen Punkten der Altstadt durch ihren Büttel Rudolf Mäder hat die Lndauer Narrenzunft ihr fastnächtliches Treiben eröffnet. Die Narreneltern Herbert und Roslarie Baldauf nahmen die närrisch froh gelaunte Obiene beim Narrenmarsch über die Insel in ihre Mitte.

Für viele ist es unerklärlich, was die historischen Fasnachtsbräuche, am Leben erhält. Es ist Wohl die Würde des Maskenträgers und die Freude an der Vermummung: Sie verwandelt den Menschen, sie hebt ihn in eine außergewöhnliche Sphäre, sie macht ihn zu etwas, was er im Alltag nie sein kann, aber vielleicht gern sein möchte. DieVermummung hinter Gewand und Larve befreit. Aber Larve und Gewand sind nicht Ausdruck losgelöster Individualitäten. Sie fügen den Träger ein in eine gebundene Gemeinschaft von Gleichgesinnten und geben ihm das Gefühl einer Wesenserhöhung.

Diese Gemeinschaft fühlte sich oftmals verantwortlich für Dorf und Stadt – auch heute. In Lindau zeigt sich dies seit Jahrzehnten in der Spendenfreudigkeit und dem persönlichen Zupacken bei der Hilfe für Kindergärten, Altenheime und zahllose Bürgerinitiativen. Kinder und Senioren stellten beim diesjährigen „Häsabstauben“ auf der Insel die meistern Zuschauer.

Nacheinanderverkündete Narrenbüttel Rudolf Mäder im Maxhof, auf dem Matktplaitz; am Alten Markt, am Alten Rathaus und am Schrannenplatz, dass im Schwabenstädtle Lindau die Fasnacht ausgebrochen sei. Jetzt sei Schluss mit der unnärrischen Zeit, meinte der Narrenbüttel, ,und fügte, hinzu: „Maske und Narrehäs sind abgestaubt und könne wieder in unserm Städtle a´zoge werde.“

Er forderte dazu auf, den „Alltagsgrant“ (grantigen Gesichtsausdruck) daheim zu lassen und bei der Fastnacht mitzumachen. Dass die Fastnacht ‚wesentliche Wurzeln im Kirchenjahr des Mittelalters hat, verrieten die beiden letzten Sätze der Bekanntmachung: „Denket dra‘ es gibt no a Lebe vorm Tod! Alle Menschen a glücksehlige Fasnacht!âEUR Die vom Narrenvater Baldauf verlesenen Prologe an den historischen Plätzen stammen vom 89-jährigen Lindauer Ehrenbürger, Heimatdichter und Malerpoeten Martin Thoman. Baldauf erinnerte daran, als nacheinander die Binsengeister, Pflasterbuzen, Moschtköpf und Kornkäffler sich zum Fanfarenzug und der Narrenkapelle (MV Reutin) hinzugesellten.

Christbaum weicht der Fasnet

Die Königlich-Priviligierten Lindaus ließen es krachen. Die Obiene hatte dafür gesorgt, dass – wie im schwäbischen am Tag nach Dreikönig üblich – der Christbaum vor dem Alten Rathaus weggeräumt wurde. Warum Petra Seidl seit ihrem Amtsantritt in Lindau immer sichtlich gerne bei den Narren dabei ist, erklärt sie so: “ Es ist eine alte Tradition, die mich begeistert. Ich will mithelfen, dasss sie gewahrt bleibt und bin stolz auf den mir verliehenen Narrenhut. Er ist für mich Verpflichtung.

Am Unteren Schrannenplatz warteten viele Narrenfreunde auf das farbenfrohe Bild der Lindauer Narrenzunft, zu dm Hoppla-ho-Rufe und Narrenmusik gehören. Brunnenwächterin Lollo Kipp berichtete, dass 2004 zwar 30 Fischskelette im Brunnen gefunden wurden, aber nur 2 Cents. Zunftmeister Udo Falge dankte ihr mit der traditionellen bayerischen Brotzeit. Für den Fasnachtssonntag kündigte er einen Narrensprung mit 50 auswärtigen

Falge griff die Ankündigung der Brunnenwächterin auf, welche die gefundenen zwei Cents zu einem ansehnlichen Spendenbetrag für die Fluopfer in Asien aufstockte. Die Narrenzunft werde in Kürze ebenfalls für die von der Naturkatastrophe betroffenen Menschen spenden. Mit dem Lindauer Narrenmarsch schloss das Häsabstauben 2005.