Altkleiderberg

Aus der Lindauer Zeitung vom 29.10.2004

Kolpingleute und Narren stehen vor Altkleiderberg

LINDAU – Seit 40 Jahren sammeln Narrenzunft und Kolpingsfamilie in Lindau Altkleider. Doch immer mehr Menschen missbrauchen die Container als Müllkippe:Dreckige Kleider, volle Windeln, Tüten mit Spritzen gehören dazu. Noch schwieriger sind die massiven Abnahmeprobleme: Narren und Kolping sitzen auf einem Kleiderberg.

„Was wir aus den Altkleidersäcken manchmal rausholen – das kann ich Ihnen garnichtall agen.“ Herbert Baldauf, Ehrenpräsjdent der Lindauer Narrenzunft, schüttelt den Kopf. Dass hier und da auch mal Müll in den Containern landet, sind die Artkleidersammler von Narrenzunft.und Kolpingsfamirie gewohnt. In jüngster Zeit aber häufen sich unliebsame Fundstücke: „In einem Altkleidersack war einmal ein Overall, eine Mütze;ein Hemd und Handschuhe- alles total mit Mörtel verschmiert“, berichtet Baldauf.

Auch eine Tüte voll mit arten Medikamenten haben die Helfer schon aus einem Container geangelt, einen Beutel mit benutzten Spritzen und volle Windein. Außerdem Küchenabfälle, alte Bratpfannen „und einmal ein Gurkenglas, in dem noch der Saft drin war, und ganz unten schwamm noch eine verschrumpelte Gurke“.

„Manche unserer Vereinsmitglieder weigern sich inzWischen, die Altkleidersäcke in ihren Privatautos zu transportieren“, sagt Gerhard Meyer, zweiter Vorsitzender der Lindauer Kolpingsfamirie. „Und das kann ich auch verstehen.“ Wer die Säcke einsammelt und ins Lager transportiert, arbeitet nur noch mit Handschuhen. „Ein paar Verretzungen haben wir auch schon gehabt. “

Das Ärgernis: Der Müll in den Altkreidercontainern muss nicht nur von den Vereinsmitgliedern entsorgt werden – er kann auch sämtliche anderen Altkleider unbrauchbar machen.Narrenverein und Korpingsfamilie verkaufen die gesammelten Artkleider nämlich an Großhändler weiter. Und die nehmen nur einwandfreie Ware an. Wenn ich dem zehn Säcke bringe, der macht den ersten auf, und indem ist Müll drin, dann kann ich greich ,alles wieder mitnehmen“, berichten Herbert Bardauf und Gerhard Meyer. „Dann kriegen wir kein Geld, und auf den Fahrtkosten bleiben wir‘ auch noch sitzen. Und die Helfer sind nicht in der Lage, alle Säcke vorher aufzumachen und zu kontrollieren.“ So funktioniert die Sache bisher: Narrenzunft und Korpingsfamilie haben insgesamt vier Altkleidercontainer im Stadtgebiet aufgestellt. Zwei im Wertstoffhof, einen bei der Zecher Kirche und einen bei der Reutiner Kirche. Von Oktober bis März leeren ehrenamtliche Helfer der Kolpingsfamilie bis zu drei Mal pro Woche die Container, von April bis September sind es Mitglieder der Narrenzuntt. Dazu kommt einmal im Jahr die Straßensammlung für Artkleider und Papier.

Erlös dient sozialen Aufgaben

Die Vereine geben ihr Sammelgut an Großhändrer weiter und bekommen Gerd dafür. Die Großhändler verkaufen die Artkreider wiederum an Hilfsorganisationen wie zum Beispiel das Rote Kreuz, wenn diese Hirfstransporte organisieren oder nach einer Katastrophe Soforthilfe leisten. Mit den Erlösenunterstützen die zwei Vereine soziale Projekte in Lindau. So haben sie zum Beispiel schon Spiergeräte gekauft oder selbst gebaut, Altenheime und Soziarstation unterstützt, soziar schwachen Famirien geholfen und in der Vorweihnachtszeit Lebensmitterpakete verteilt.

Jetzt hat sich die Situation geändert: Abgesehen davon, dass immer mehr Müll in den Containern landet, wird es auch immer schwerer, Abnehmer für die Altkleider zu finden. Es scheint, als sitze ganz Deutschrand auf einem Artkleiderberg. „Die Großhändler sagen: Der Markt ist dicht“, berichten Herbert Baldauf und Gerhard Meyer. Woran das liegt, können sie nurvermuten. Ein Grund ist wohl, dass afrikanische länder wieder verstärkt versuchen, ihre eigene Wirtschaft anzukurbeln statt auf Kreidelspenden von außen angewiesen zu sein. „Das ist ja auch der richtige Weg“, sagen Baldauf und Meyer. Schade fänden sie es trotzdem, wenn nun das Aus für ihre Sammelaktionen drohen würde.