Fasnachtssonntag

Aus der Lindauer Zeitung vom 23.02.2004

Popos im Gesicht und Bäderaktien

LINDAU -Mit einem 3000 Hästräger starken Narrensprung auf der Insel und dem heiter-herzlichen Zunftmeister-Empfang hat die Narrenzunft Lindau gestern am Fasnachtsonntag ihren 40. Geburtstag gefeiert. Und auch, wenn es am Ende etwas verregnet war – die Narren ließen sich den Spaß nicht verderben.

Mit dem Narrensprung erlebte das jährliche Narrenspiel zur Fasnacht vor einigen tausend Zuschauern seinen besonderen Höhepunkt. Für jeden Geschmack hielt der bunte Narrenwurm etwas parat: Für Freunde des Karnevals brachte eine Sambagruppe das Blut in Wallung. Wer den Fasching liebt, konnte vom Anblick des Wickinger-Schiffes nicht genug bekommen. Die alemannische Fasnacht zeigte sich in ihren schönsten Farben bei den Narrengruppen von Baienfurt, Bad Saulgau, Wangen und Lindau.

Lokalkolorit sorgte für Gelächter beim Anblick von Popos, die durch Chirurgie ins Gesicht gewandert waren oder dem Angebot von Aktien zur Rettung der Lindauer Freibäder. Der Umzug zeigte auch, dass die Narrenzunft viele treue Freunde wie den Reiterverein Lindau, die Schönauer Hexen oder die Weißensberger Schalmeien besitzt.

Beim Zunftmeisterempfang hatte neben der Lindauer Obine Petra Seidl auch die Lindauerin Birgit Holverscheid (geb. Meyer) als Zunftmeisterin von Friedrichshafen-Kluftern Frauen Power gezeigt. Von den Männern erhielt der „schöne Theo“ den meisten Beifall. Schöner geschmückt denn je empfing der Rathaussaal gestern Vormittag die heimischen und auswärtigen Narren mit Blumen und Fanfarenklängen. Neben der Narrenzunft selbst stießen auch die Binsengeister ins Schwabenalter vor.

Narrenvater Herbert Baldauf sprach den Prolog und bescheinigte Seidl, bei ihrer Arbeit für die Stadt und in der Fastnacht stets mit dem Herzen dabei zu sein. Stadtregentin Petra räumte ein, dass Schmierseife. und Wasser am Gumpigen Donnerstag den Rathaussturm der Narren nicht verhindern konnten, Ihr Amtsvorgänger Jürgen Müller passe auf, „dass wir keinen Unsinn machen. Landvogt „Eduard der TrotzigeâEUR sei beim Schifahren. Als dessen Vertreter heiße sie „Theo den Schönen“ willkommen. Die Lindauer Narren seien nun mit 40 „gescheit“ geworden, doch wann schaffe das der bayerische Landtag?

Als Landschaftsvertreter der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSNA) überreichte Franz Mosch aus Bad Waldsee den Zunftregierungsmitgliedern Udo Falge und Günther Elstner das VSAN-ABzeichen in Bronze sowie Harald Schneider und Claudia Zapf VSAN-Abzeichen in Silber.

Viel vorgenommen hatte sich der stellvertretende Landvogt Theo Bihler: Er wollte als Allgäuer Frohnatur den Lindauern das Lachen beibringen. Nach mehreren Versuchen klappte es halbwegs. Und als er verriet, dass Edmund Stoiber in Indien das Lachen studiere, klappte es vollends. Sein Hinweis, dass die Menschen immer mehr , quasi „weggeworfen“ würden und nur noch das Geld zähle, erhielt er bsonderen Beifall. Die Gäste der Narrenzunft Lindau aus nah und fern sagten ihr Sprüchle auf, beschenkten die Lindauer Narren zumeist mit Flüssigem, bemängelten heftig die trockene Luft im Saal und luden zum Gegenbesuch ein. Einen besonders erfrischenden Eindruck bot die Klufterner Zunftmeisterin Birgit Holverscheid. Die ehemalige Lindauer Kornköfflerin hielt frisch-frei-fröhlich ihre Rede und schnappte sich einen Feuchtigskeitsspender, um im gesamten Saal Erste Hilfe zu leisten.