Von Moschtköpfen und Binsengeistern

Aus der Lindauer Zeitung vom 20.02.2004

Von Moschtköpfen und Binsengeistern

LINDAU – Wenn die Narren die Insulaner wecken, „da möcht ich nicht auf der Insel wohnen“, schmunzelt der Lindauer Moschtkopf Robert Dellinger. Seit 1960 treiben die Moschtköpf neben den Pflasterbuzen, Kornköfflern und Binsengeistern während der Fasnacht in Lindau ihr Unwesen. Vor allem zwischen dem 6. Januar und dem Aschermittwoch ist der Terminkalender der Narren nahezu ausgebucht.

Begonnen hat alles vor 44 Jahren, als der inzwischen verstorbene Alfred Lutterlo handgeschnitzte Moschtköpf-Masken von einem Schnitzer aufkaufte und sie der Lindauer Narrenzunft stiftete. Mit elf Holzmasken erschienen die Moschtköpf‘ damals zum ersten Mal auf der Bildfläche der schwäbisch-allemanischen Fasnacht. Das auffälligste am Häs der Moschtköpf ist der Apfel- oder Birnenkopf. Jede der Masken ist ein handgeschnitztes Unikat und kostet rund 350 Euro.

Ein Riesen-Moschtkopf ziert auch den Lindauer Narrenbaum. Er wird am gumpigen Donnerstag auf dem Rathausplatz aufgestellt., Hier wird dann der Moschtkopftanz aufgeführt und das danach geltende Narrenrecht verkündet. „Bewaffnet“ sind die Moschtköpf‘ übrigens mit einer ziemlich lauten Rätsche – dieses „Handwerkszeug“ wurdefrühervon Bauern benutzt, um die Vögel aus den Weinbergen und Plantagen zu verscheuchen. Heute wird damit während der Fasnacht ordentlich Lärm gemacht. Vor allem vor dem Narrenbaumsetzen, wenn die Insulaner um 6 Uhr in der Früh von de Narren geweckt werden, haben die Rätschen ihren GroBeinsatz. „Da möcht ich nicht auf der Insel wohnen schmunzelt Robert Dellinger.

Viele Familien machen mit

Er hat sich seit 1972 bei den Moschtköpf der Narretei verschrieben. Seine Eltern hatten sich diese Masken ausgesucht. Damals sei die Narrenzunft als eine „gemeinsam ausübbare Freizeitgestaltung“ ausgsucht worden. Doch auch heute noch ziehen, laut Dellinger, viele Familien in der Gruppe mit. Er ist mittlerweile Vogt (also Vorstand) der Lindauer Moschtköpf. Und legt besonders großen Wert darauf, dass in Lindau die Fasnacht und nicht Fasching gefeiert wird. Alle Narren treffen sich regelmäßig (nicht nur während der fünfte Jahreszeit) im Vereinsheim im Toskanapark, das die Lindauer Maskenträger übrigens in Eigenregie renoviert haben.

Vor allem vor dem heimischen Narrensprung ist Dellinger wochenlang mit der Planung beschäftigt. Dies bezeichnet der Vogt als eine „harte Zeit denn da herrscht ständig Halli-GalliâEUR Ansonsten zeigt der „Narrenfah plan“, wo’s lang geht: Ungefähr eimal in der Woche stehen ein Umzug an. Hauptsächlich im näheren Umkreis kann man die Lindauer Apfel- und Birnenmasken bestaunen. Aber auch nach Freiburg oder Willisau, in der Schweiz, reist die Narrenzunft gelegentlich.