Henkersmahlzeit

Aus der Lindauer Zeitung vom 20.02.2004

Für den Spott sorgen die Politiker selbst

LINDAU (eka) – Fasnacht bedeutet verkehrte und zugleich wahre Welt. Während das Jahr über viel geheuchelt wird, darf man in der Fasnacht ungestraft die Wahrheit sagen. Bei der „Henkersmahlzeit“ in der Lindauer Toskana nutzen die Fasnachter diese Chance, um über Landrat, Oberbürgermeisterin und Stadträte einmal ihre wirkliche Meinung loszuwerden.

Als der neue Büttel der Narrenzunft Lindau, Rudi Mäder, seine Glocke schwang, herrschte Ruhe im Narrensaal, und Narrenvater Herbert Baldauf konnte in seinem Prolog Landvogt Dr. Leifert sagen, dass dessen Idee, das Krankenhaus zu verkaufen zum Haare ausraufen sei. Zunftmeister Udo Falge erteilte als nächstes der Lindauer Obine das Wort. Petra Seidl verglich die Stadtverwaltung mit einem Narrenschiff und meinte zum selben Thema, für den Landvogt werde angesichts der Emotionen vieler Lindauer Bürger „Bürgernähe“ nun zum Begriff.

Spöttisch erwiderte der so Angesprochene, die Lindauer Stadträte reden oft, was sie gern wären, hätten und täten. Doch der Zug fahre an Lindau vorbei, und bei der Realschule sei der Stadt ein Schildbürgerstreich gelungen. Im Weiteren schmunzelte er über die gängigsten Redewendungen von Petra Seidl. Lindaus Bürgermeister Dr. Uwe Birk spottete beim Anblick des als Hippie kostümierten Leifert: „Bei unserem gentechnisch veränderten Landriat bleiben mir die Worte weg.“ Alt-Landrat Klaus Henninger schlug der Stadt angesichts der leeren Kassen vor, sich nach einer neuen Bleibe am Alten Aeschacher Friedhof oder noch besser im Weinberg-Torggel am Hoyerberg umzuschauen. Mit einem dort zu installiereden „Rädle“ könnte man durch kräftigen Durscht der Lindauer Bürger wieder die Stadtkasse sanieren. Kapitänin Petra Seidl und ihr städtischer Matrosenchor holten sich in der Folge mit einer „Tisch musik“ viel Beifall von den Umstehenden.

Was in der alemannischen Narrenhochburg Konstanz und anderswo normal ist, passierte ebenfalls in Lindau: Auch die Zeitung bekam ihr Fett weg. Zunfmeister Udo Falge und sein Vize Günther Elstner berichteten unter „Närrisch bemerkt“, dass die Lindauer Zeitung der Psyche eines Hundes beispielsweise, dessen Frauchen aus Lindau durch das Fernsehen berühmt wurde, die Berichterstattung über die kleinen Geschehnisse aus dem Vereinsleben geopfert habe. Feinsinnig-hintergründig glossierte schließlich Verkehrsdirektor Hans Stübner das Lokalgeschehen aus der Sicht eines Nobelpreisträgers und verlieh OB Seidl sowie den Bürgermeistern Paula Seberich und Uwe Birk die passenden Kopfbedeckungen für den ersten Platz bei der Tagung in der Inselhalle.