Narrensprung in Singen

Aus der Lindauer Zeitung vom 26.01.2004

14000 Narren ziehen durch die strohbedeckten Straßen

SINGEN (Isw)“ Rund 74000 Hßs- und Maskenträger aus dem Südwesten sind gestern in einem farbenprächtigen Narrenumzug durch die Hohentwielstadt Singen gezogen. Bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt zeigten beim Grossen Narrensprung 69 Zünfte vor rund 50000 Zuschauern die Vielfalt von jahrhundertealten Bräuchen und Traditionen der fünften Jahreszeit.
Der Umzug war der Höhepunkt des Großen Treffens der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSAN), das nur alle vier Jahre an wechselnden Orten stattfindet. Die Besucher drängten sich in mehreren Reihen an der 2,3 Kilometer langen Strecke. Die Straßen der Innenstadt waren mit Stroh bedeckt. Darüber spannten sich bunte Fastnachtsbänder, von den Laternenmasten grüßten Fastnachtspuppen.
Angeführt wurde das Spektakel von den preisgekrönten Fahnen- schwingern der Konstanzer Narren- gesellschaft Niederburg und der gastgebenden Singener Poppele-Zunft von 1860. „Narri, Narro“, „Ho Narro“, „Narrety-Narretei, bi üs däbei- bei“, „Breisgau-OfeJoch“, „Henker- haus – lass de Narre raus“, schallten die Rufe der einzelnen Zünfte durch die Hegau-Metropole. Auch Schweizer Zünfte beteiligten sich an dem Spektakel. Die so unterschiedlichen Rufe mischten sich mit den Klängen von Fanfarenzügen, Guggenmusiken und Tromlergruppen und wurden nur noch übertroffen von der unbegrenzt scheinenden Bandbreite der Narrenkleider und vielfarbigen Anzügen der Musiker.
„Wir wollen einmal alle vier Jahre komplett die Verschiedenartigkeit und die tollen, Bräuche der Traditionsfast- nacht zeigen“, hatte VSAN-Geschäftsführer Roland Wehrle versprochen, der verkleidet und mit Federhut in ei- ner Kutsche vorfuhr. Hansele, Hexen, Teufel, Dämonen, Fledermäuse, Vogel- und Blumenfiguren, Schelle- Weible, Reb-und Eierwieber, Esels-und Katzengestalten sowie Fabelwesen aller Art oder behelmte Fastnachts-Krieger waren im Zug zu sehen. Viele der Masken werden kunstvoll aus Holz geschnitzt, die fantasievollen Narrenkleider mit Details liebevoll bestickt, mit Stoffflicken besetzt oder bei den wilden ,Gesellen mit Stroh oder Tannen zweigen dekoriert.
Die Teilnehmer des Umzugs, auf 150 je Narrenzunft begrenzt, unterhielten das Publikum mit dem Schellen (Knallen) ihrer Garbatschen (Peitschen), allerhand Schabernack, Bocksprüngen, Menschenpyramiden und anderen akrobatischen Einlagen. Besonderen Applaus ernteten die erst vor kurzem nach zehn Jahre War- tezeit neu in die VSAN aufgenommene Narrenzunft Henkerhaus aus Baienfurt und die einzige bayerische Fastnachtsgruppe des Verbands, die Narrenzunft aus Lindau am Bodensee. Ausgelassene Stimmung herrschte auch bei den „Großkopfeten“ auf der Ehrentribüne in Singen (Kreis Konstanz). Unter ihnen saßen Innenminister Thomas Schäuble als Vertreter der Landesregierung.
Die Umzugs-Organisatoren waren nach monatelanger Vorbereitungszeit, zufrieden mit den drei Festtagen. „Es ist traumhaft, besser könnte es nicht sein“, hieß es im Festbüro.