Närrisches Treiben

Aus der Lindauer Zeitung vom 03.03.2003

Närrisches Treiben auf der Insel

LlNDAU (Erwin Kargus) – Die Lindauer Insel erlebte gestern mit Zunftmeisterempfang und Narrensprung ihren Fasnachtshöhepunkt. mehr als 50 Gruppen zogen ab 14. 01 Uhr über die Insel.

Schon am Vormittag zeigte das Narrenfest beim Zunftmeisterempfang, dass auch in ernsteren Zeiten sich die Menschen das Lachen nicht verbieten lassen – und dass Lindaus Oberbürgermeisterin Petra Seidl in der weißblauen Inselstadt inzwischen deutlich Wurzel,“ geschlagen hat.

Unter den Fasnachtsgästen konnte Lindaus Zunftmeister Udo Falge auch die drei Lindauer Ehrenbürger Josef Euringer, Franz Fiala und Martin Thomann begrüßen. Von Seiten der nachmittäglichen Umzugsteilnehmer ließen beim ,. Zunftmeisterempfang im Alten Rathaus die klappernden Füße der Reiter vereinspferde, die neuste Ja_restasse der Ravensburger Narrenzunft und ein mitgebrachter Hundenapf närrisch grüßen. Mehrere Narren spielten mit der Landkarte und ernannten Tettnang zum San Remo Oberschwabens, Dillingen zum Rom Bayerisch-Schwabens und Lindau zu Venedig. Besonderen Beifall gab es für die gelungenen – Schwäbischversuche von lindaus Stadtregentin Petra Seidl und die Narren-Feststellung; dass Politiker kein BSE bekommen könnten, da ihnen Hirn und Rückrad fehlten. Narrenvater Herbert Baldauf wünschte in seinem Prolog ein bissehen Heiterkeit in einer ansonsten nicht so heiteren Welt. Dies nahmen die Kisslegger Narren wörtlich und schenkten Zunftmeister Udo Falge’als werdendem Vater für dessen künftige Tochter rosa Schwimmflossen. Als alternder Playboy gefiel der stellvertretende Landvogt Theo Bihler der Narrenschar. Der königlich-bayerische Abgeordnete Eberhard v Rotter stellte den ruhebedürftigen Lindauern in Aussicht, dass sie – wenn erst einmal alles von der Insel verschwunden sei – endlich ihre Ruhe haben und eine Käseglocke über die Insel stülpen könnten.

Stadtregentin Petra Seidl dankte Rotter für seine Treue zu Lindaus Narrenzunft. Auch die anderen eingeladenen Abgeordneten hätten Lindau als „Wahlheimat“ entdeckt, aber eben nur als Heimat in der Zeit der Wahlen. Die Binsengeister der Narrenzunft zählten, nun 40 Jahre und hätten die „G’scheitlesreife“ erworben. Der Fanfarenzug der lindauer Narrenzunft sowie laute Kracher der Schützen eröffneten den Narrensprung am Nachmittag. Um 14 Uhr gings los. Dabei startete der Narrenzug heuer erstmals bei der Inselhalle. Von der Zwanzigerstraßeaus bog der Umzug in die Zeppelinstraße ein und lief durch den Inselgraben zum Hafen. Üeber den Reichsplatz ging es dann durch die Ludwigsstraße und Fischergasse in die Cramergasse und weiter in die Maximilianstraße. Besonders „stark“wirktendabei der Seehasen-Fanfarenzug aus Friedrichshafen sowie die Tettnanger Feuerhexen. Schön maskiert und fetzig im Ton stellte sich die Musikkapelle Unterreitnau vor. Als neuer Narrenruf war „Gottschalk kommt“ zu hören. in mutig schaukelnder Narr auf einem fahrenden Birkenstamm konnte den Regen leider nicht aufhalten. Rätschen, Narrenseil, Fahnenschwinger, Hexenpyramiden und Narrennetze gaben dem Narrensprung sein besonderes Gepräge. Wie das Leben so die Masken: Mal lachend, mal verschmitzt und zwei Tage vor Aschermittwoch auch mal weinend.

Wer die Lindauer‘ Narren am Sonntag verpasst hat, kann die Mostköpfe,Pflasterbuzen, Kornköfler und Binsengeister morgen, Dienstag im Fernsehn bewundern. Da’S bayerische Fernsehn gewährt in seiner Sendung“ Weiß-Blau klingt‘ s am schönsten“ einen Einblick in die Tradition der Fasnacht. Beginn: 19 Uhr. Es moderieren Uschi Dämmfrich von Lüttitz und Gerd Rubenbauer.