Fasnacht startet mit Kinderball

Aus der Lindauer Zeitung vom 22.02.2003

Fasnacht startet mit Kinderball

LlNDAU (eka)-Dieschwäbisch-alemannische fasnacht steuert ab dem heutigen Samstag auch auf der bayerischen Insel Lindau ihren. Höhepunkten entgegen. Moschtköpfe, Binsengeister, Pflasterbuzen, Kornköffler und der fanfarenzug der Narrenzunft Lindau bemühen sich, die Bürger für einige Tage ihre Sorgen vergessen zu lassen. Der heute in der Lindauer Inselhalle um 14 Uhr beginnende „Kinderball“ bildet seit Jahrzehnten eine Institution der Lindauer Fasnacht, Seit Jahren steht er unter der von vielen als hervorragend bezeichneten Leitung von Moschtkopf Thomas Freilinger. Die kleinen Mäschkerle sind – sobald sie laufen können – als „Narrensamen“ willkommen.

Am nächsten Donnerstag, dem „Gumpigen“, erobert die Fasnacht in der Früh um 6 Uhr mit dem Hemdglonkerumzug Lindaus Altstadt, Zwar spielt der Fanfarenzug der Narrenzunft ein ums andere Stück. Doch das wichtigste sind möglichst viele mitlaufende Narrenfreunde mit möglichst laut scheppernden Lärminstrumenten. Am Vormittag um 9.30 Uhr ist für die Schülerinnen und Schüler der Grundschule Aeschach der Schulstress vorbei. Sie erhalten von den Narrenzünftlern in der „Schülerbefreiung“ wissenswerte Narrenkunde und dürfen anschließend hoffentlich – wie in anderen schwäbischen Narrenstädten selbstverständlich – nach Hause gehen. Um 11,11 Uhr kommt es am Gompigen Donnerstag zu einem Ultimatum an Oberbürgermeisterin Petra Seidl: Falls sie ihren „Amtssitz“ in der Toskana nicht freiwillig räumt, wollen ihr die Narren sehr unangenehme Konsequenzen androhen, Die Henkersmahlzeit in der Toskana wenige Stunden später bildet für die Lindauer Obrigkeit dann wirklich die letzte Chance für ein freiwilliges Abdanken. Sollten die Stadtdiener jedoch immer noch an ihren Posten kleben, wird es um 17.45 Uhr ernst. Die Narrenzunft marschiert dann gegebenenfalls mit musikalischer Verstärkung durch den MusikvereinReutin zur Eroberung der Insel. Was die Schweden nicht schafften, wollen die Narren erreichen. Unter den einschüchternden Krachern der Königlich-Privilegierten Schützen blasen mächtige Fanfarenstöße zum Sturm aufs Rathaus. Ehe das Rathaus „fällt“, wird der Narrenbaum aufgestellt, die Moschtköpfe tragen ihren lieblichen Moschtkopftanz vor und die sinnreichen Narrengesetze werden verkündet. Mit dem notfalls Mauern zum Einsturz bringenden „Lindauer Narrenmarsch“ übernehmen die Narren das Rathaus samt der Macht im Städtle und führen die mit einem Fischernetz eingefangene Obrigkeit in ein finsteres Verlies.
Das Schwierigste am Rußigen Freitag ist heutzutage, an echten Feuerruß heranzukommen, Ob angeschwärzt oder nicht – die Narren und ihre Freunde strömen am Rußigen Freitag ab 18,30 Uhr zum Bismarckplatz, wo die Weißensberger Schalmeien spielen und Glühwein‘ der Erkältung vorbeugt, Die hochkarätigen Brauchtumsvorführungen „Köfflerjuck“ und „Buzentanz“ begeistern jedes Jahr aufs Neue ab 19 Uhr Zuschauer aus Nah und Fern.

Fester Bestandteil des Fasnachtssamstag ist seit Jahren „Hoppla ho – der Ball“ mit der bekannten „Stadlrockband“ um 20 Uhr in der Inselhalle. Auch heuer fehlen nicht die von Vizezunftmeister Günther Elstner und Zunftsprotokoller Harald Schneider organisierten Einlagen. Am Fasnachtssonntag kommen wieder – wie im Vorjahr – rund 50 Narren- und Musikgruppen auf die Insel. Die Narrenzunft lädt sie stilvoll-närrisch am Vormittag im Alten Rathaus zum „Zunftmeisterempfang“. Ab 14 Uhr sucht sich der 2800-köpfige bunte „Narrenwurm“ seinen Weg durch die Lindauer Insel. Der Umzug startet heuer erstmals bei der Inselhalle in Richtung Zeppelinstraße. Mit dem Kinderumzug am Fasnachtsdienstag um 15 Uhr, dem Narrenbaumlegen, mit vorausgehendem Moschtkopftanz um 15.30 Uhr, dem Kehraus im Ptarrzentrum St. Josef ab 19.30 Uhr sowie der Verabschiedung der Masken um Mitternacht endet die Lindauer Fasnacht. Die fünfte schwäbische Jahreszeit wird um Mitternacht von der fünften bayerischen Jahreszeit“ mit einem Glas Starkbier vor dem Heimgehen abgelöst.